Strafanordnungen

 

Viele Tausende und Abertausende von Menschen wurden im Mittelalter in den deutschen Städten auf richterlichen Urteilsspruch hin vom Leben zum Tod befördert.

Dies aber geschah nicht etwa aus besonderer Grausamkeit, sondern weil es den Menschen in jener Zeit noch an Selbstbeherrschung fehlte und sie ihren ungezügelten Leidenschaften den damaligen Anschauungen nach hinreißen ließen, dass eine schwere Tat, nur der Tod allein diesen zu sühnen vermochte.

Durch die Römer wurden die Germanen mit der Folter bekannt gemacht . Sie wurde in Rom ausschließlich bei Sklaven verwendet.

Um die Geständnisse und die Schmerzensschreie der Gefolterten geheim zu halten, lagen die Folterkammern an abgelegenen und hinter meterdicken Mauern alter burgartigen Gebäuden, die dunkel und modrig waren.

Daumenstöcke oder Daumenschrauben sind eiserne Instrumente, die aus einem flachen Eisenstück und einem zweiten Eisenstück mit zwei Aushöhlungen bestanden, in welche die Daumen gelegt wurden.

Die spanischen Stiefel oder Beinschrauben sind ähnlich wie die Daumenschrauben konstruiert. Der untere Teil wurde an die Wade angelegt, der obere Teil, welcher eine Vertiefung mit vielen Kerben und Zacken hatte, in die das Bein paßte, übte einen starken Druck auf das Schienbein aus.

Die Leiter, das meist angewandte Instrument, hatte in der Regel an der untersten Sprosse Ringe an denen die Fußgelenke befestigt wurden, an der obersten Sprosse war ein Kloben befestigt durch den ein Strick lief. Dem Inquisit band man die Arme auf dem Rücken zusammen, befestigte den Strick der durch den Kloben lief an den Händen des Opfers und zog dann so lange an bis die Arme rückwärts emporgewunden waren und über den Kopf standen. Um die Schmerzen noch zu erhöhen, lockerte und dehnte man den Gefolterten immer wieder von neuen.

Das Schnüren mit hanfenen Seilen die um die Handgelenke gelegt wurden und dann von den Folterknechten scharf hin und her gezogen wurden als ob sie sägten, wobei die Haut bis auf die Knochen durchschnitten wurde . An anderen Orten wurden die Arme so geschnürt, daß das Fleisch zwischen den Seilen hervorquoll und zur Erhöhung der Qualen schlug man mit einer Leine auf die Arme.

Die scheußlichste Hinrichtung war das Rädern mit dem Herausreißen von Fleischstücken mit glühenden Zangen. Es wurden dabei Schläge mit dem schweren Rade die Glieder zermalmt, und zwar wurde dabei bei den Füßen angefangen, und Schlag auf Schlag etwas höher zersplitterten die Knochen, die Muskeln wurden zu Brei zermalmt.

Beim Pfählen wurde dem Verurteilten ein spitzer Pfahl durch den Leib getrieben und man überließ ihn dann seinem Schicksal.

 

Das Köpfen galt als eine mildere Art und wurde daher vorzugsweise bei vornehmeren Verbrechern angewandt. Vom Scharfrichter erforderte es eine große Gewandtheit und Kraft, da der Verurteilte nicht festgeschnallt wurde - man ließ ihn einfach niederknien. Nicht selten brauchte man mehr als nur einen Hieb um den Kopf vom Rumpf zu trennen, aber anderseits gab es auch wieder Meister im Köpfen.

Die Strafe des Hängens traf besonders die Diebe, als Warnung für die Bösen und den Gerechten zum Trost, ließ man gewöhnlich ein paar halbvertrocknete Leichname hängen.

Frauen wurden nicht gehängt sondern statt dessen lebendig vergraben oder sie wurden ertränkt.

Der Feuertod stand auf Hexerei, Ketzerei und schweren Sittlichkeitsverbrechen.

Besonders grausam war das Rädern, da es die Todesqual oft sehr in die Länge zog.

Mit dem Ausstechen der Augen wurden sehr häufig Vergehen geahndet wie z.B. das Falschspielen.

Die Gotteslästerer schnitt man die Zunge heraus.

Dem Fälscher drückte man Brandmale auf die Stirn oder Backen.

Falschmünzer wurden in siedendes Öl oder Wasser geworfen.

Auch das Abhauen der Hände und Abschneiden der Ohren war nicht selten.

Leichtere Vergehen strafte man durch öffentliches Auspeitschen mit Ruten. Die Strafe war nicht ungefährlich, denn die Knechte des Scharfrichters schlugen oft sehr derb zu.

Das Prangerstehen war eine bloße Ehrenstrafe, das auch bei Beleidigungen angewandt wurde.

 

Folter - Regeln

Die Tortur darf erst 6 - 7 Stunden nach dem Essen vorgenommen werden und soll nicht länger als 1 Stunde angewandt werden. Sollte nie mehr als 3 x gefoltert werden, leugnet er standhaft nie mehr als 2 x . Hat er beim 1 x gestanden und danach widerrufen darf er zum 2 x gefoltert werden, bleibt er dann bei der Leugnung so ist er frei zu lassen.

Die Art zu Foltern richtete sich nach der Beschaffenheit der Person.

Wer sein Verbrechen eingestanden hat darf nicht gefoltert werden.

Die Tortur sei nur morgens erlaubt niemals gegen Kinder unter 14 Jahren, nicht gegen alte Leute von 60 - 70 Jahren .

Freitags soll nicht gefoltert werden.

An diese Regeln hielt man sich so gut wie nie. In Staatsprozessen wurde die Folter ergiebig und grausam angewendet, da war weder Milde, noch Menschlichkeit, noch Gerechtigkeit gefragt war.

Eine traurige Berühmtheit erlangte der König Jakob I. von England. Er erfand neue Arten von Qualen an denen er sich weidete. Er ließ spitze Holzkeile unter die Nägel der Zehen und der Finger treiben um die Schmerzen zu erhöhen. Mit einer eisernen Zange ließ er sämtliche Nägel von den Fingern abreißen und steckte dann Nadeln in die offenen wunden Stellen. Andere riss

man halb verbrannt vom Scheiterhaufen damit sie die Brandschmerzen desto länger empfänden und zuletzt warf man sie von neuen in die Flammen.

 

 

Strafanordnungen vom 20.4.1572

Amt Krayenburg

„ So jemand in vergessung seines Christlichen Glaubens mit dem Teuffel verbündnis auffrichtet, umbgehet oder zuschaffen hat, daß dieselben Personen, ob sie gleich mit Zeuberen niemand schaden zugefüget, mit Feuer vom Leben zum tode gericht und bestrafft werden.

Bei Mord und Totschlag an einem Familienangehörigen „ sol der Theter (Täter) in einem Sack sampt einen Hund und Affen oder anstatt desselbigen einer Katze/Hanen (Hahn) , auch einer Schlangen gesteckt , ins Wasser geworfen und ertrenkt werden."

In Sachen wie Reuberen (Räubereien) auch Vheden und dergleichen betreffend wird die wegelagerung vermöge des Landfriedens mit dem Schwert bestrafft, in leichteren Fällen mit abhauung der hand oder staupenschlagen und ewigen Vorweisung (Verweisung) des Landes.

diejenigen so die weyde vorgifften (Weide vergiften) sollen nach Sächsischem Rechte mit dem Fewer (Feuer) berstrafft werden.

wo hinfüre in unserem Lande ein Eheweib mit einem anderen Manne Ehebruch treibt / desgleichen der Mann/ sol mit dem Schwert bestrafft werden.

wann einer über fünff der besten Ungerischen gülden wert stilt wird derselbe nach ordnung und brauch mit dem strange gestrafft. Ist der Diebstahl aber geringschetzig so mag und sol derselbige mit gefengnis und Vorweisung bestrafft werden.

Wann jemand die ewige oder zeitliche Landesvorweisung durch unsere Schoppenstüle zugesprochen wird, sol derselbige aller unserer Lande verwiesen werden und auch sein Uhrendt darauf schwören. Die so auff einen geschworenen Eyd vorweist und doch wissentlich wiederkommen, sollen mit abhauung der zweyer förderfinger, damit sie geschworen, anderweit vorweist werden. Wann aber der Vorwiesene zum andernmale wieder keme, sol ihme nochmals ewige Vorweisung mit Staupenschlag zuerkannt werden. Wann er aber zum dritten mal in das Land kommt, so sol er seiner widersetzlichen Handlungsweis, auch des Meineydes halber, mit dem Schwert vom Leben zum tode bestrafft werden.

 

 

erstellt von Kornelia Neuner im Dezember 1998

 

Einige Bilder

 

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                                                                    Das Schnüren von vorn

 

 

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Die Beinschrauben

 

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Das Ausspannen auf der Leiter