Wie Ortschaften zu ihren Namen gekommen sind

Da soll der Deutsche noch sein Deutsch verstehen

 

Unsere meisten Orte, verdanken ihre Namen, irgend einen Merkmal ihrer ursprünglichen Beschaffenheit, ihrer Lage, ihrer Umgebung oder sie wurden nach ihren Gründern benannt.

Orte mit fremdartigen Namen stammen noch aus einer früheren Zeit und haben an der Entwicklung unserer Muttersprache nicht teilgenommen wie es bei anderen Orten üblich war.

Hauptsächlich durch mündliche Überlieferung von Geschlecht zu Geschlecht sind sie mannigfach abgeändert worden, wie die Urkunden besagen, die uns die Ortsnamen aus verschiedenen Zeiträumen der Vergangenheit übermitteln.

Als die Germanen aus dem Osten in das heutige Deutschland kamen, fanden sie hier schon Bewohner „die Kelten" vor.

Die Kelten wurden verdrängt und zogen sich immer weiter nach dem Westen Europas zurück. Diesem Volk verdanken wir in Deutschland die Namen Donau, Rhein, Wien, Worms und Mainz.

Die Gleichberge bei Römhild, sollen ihren Namen von den Kelten erhalten haben, die urkundlich älteste Bezeichnung Glichen (Glychen) auf das keltische Wort dwg = Felsen zurückgeführt wird, so daß die Gleichberge so viel wie „Felsenberge" heißen.

Ortsnamen die Personennamen enthalten die längst nicht mehr im Gebrauch sind:

Achelstedt bei Kranichfeld heißt „zur der Hofstätte des Agis oder Achilo".

Gügleben : 795 Guggileiba geschrieben, ist der Grundbesitz oder Hof des Gogo (Gugo).

Gumpelstadt enthält den Personennamen Gumbold (Cumpold).

Hildburghausen den Namen Hilpert (Chilpert).

Heldburg - Helido (Helid).

Sonneberg - Sunno usw.

Die in Süddeutschland weit verbreiteten Ortsnamen mit den Endungen : ungen und ingen,weisen darauf hin, dass sie von schwäbischen Einwanderen im 5 und 9 Jahrhundert gegründet worden sind. Hierher gehören Namen wie Meiningen, Salzungen, Wasungen, Breitungen usw.

Inge im dritten Fall der Mehrzahl, Ingen war früher ein selbständiges Hauptwort, und „die Inge" bedeutet: „die Leute", „die Familie", „die Nachkommen". Der Volksmund machte keinen Unterschied zwischen ingen und ungen.

Viele Ortsnamen enden mit „hausen" . Wenige ahnen, dass „hausen" unser „Haus" enthält! Und doch ist dies der Fall „Hausen" ist der 3 Fall der Mehrzahl der jetzt „Häusern" lautet. Noch älter ist die Form „Husen".

Westhausen, Südhausen, Nordhaus und Osthausen diese Namen deuten darauf hin, dass die Orte als Ansiedlungen von einem vorher angebauten Gebiet, einem Mutterorte aus angesehen werden müssen.

Holzhausen bedeutet „zu den Häusern im Holze, im Walde.

Ein Dorf mit der Bezeichnung Stadt - ist keine Stadt sondern nach heutigem Sprachgebrauch eine Stätte.

Amberg (= am Berg); Andermatt (= an der Matte); Zermatt (zu der Matte).

Bei vielen zusammengesetzten Ortsnamen wird durch das Grundwort auf die Beschaffenheit der Gegend auf irgend eine Eigentümlichkeit der Lage hingewiesen. Zu dieser Klasse zählen die Ortsnamen auf mar, ried (rieth), loh, a, aha, ach, wald , bach, berg, thal, fels, und zwar stammen Orte, deren Namen auf mar, loh und aha (a) enden aus einer entlegeneren Vergangenheit als Orte mit den übrigen Endungen.

Weimar das im Jahre 800 als wechmare vorkommt, so wie Wichmar, Rottmar usw. kommt uns das alte Mar entgegen (= weiches Sumpfland), demnach wurden diese Orte an einem Sumpfe erbaut. Auf eine Lage in ursprünglich feuchter sumpfiger Gegend weisen auch die Namen auf rieth (ried) hin. Denn rieth (hriot) ist unser jetziges „Ried" das ursprünglich an „Lehmwiesen mit Riedgras" lag.

Die Endungen rot, rod, reuth, gereuth bedeuten „Rodung im Walde". Die Ansiedler mußten erst Raum für ihre Wohnstätte und Ackerland zum Anbau gewinnen, und rodeten den Wald mit Feuer oder dem Beil und der Hacke aus. Auf diese Weise entstanden Orte mit dem Namen wie Roda, Roth, Rode.

Auf ehemalige Lage im Walde weisen auch Ortsnamen auf loh hin. Loh, im zweiten Fall Lohes ist das ältere Wort für Holz und Wald.

Die Ortsnamen auf a und ach sagen uns, daß ihre Träger nach dem Flusse oder dem Bache benannt wurden an dem sie liegen. Das alte Wort affa, ahva stammverwandt mit dem lateinischen aqua bedeutet Wasser und Bach. Es kommt auch als ache und aha vor, meistens ist aber nur ein a übrig geblieben. (Werra, Gerra, Fulda).

Zahlreiche Orte sind nach Tieren benannt: Roßfeld, Roßdorf, Kranichfeld, Schweina hat seinen Namen von der ehemals an dem gleichnamigen Bache stark betriebenen Schweinezucht und ist seiner Bedeutung nach mit Barchfeld verwandt, das mit dem alten Wort Barch für Schwein zusammengesetzt ist.

Über die Bedeutung der Pferde und Schweinezucht im alten Thüringen liegen geschichtliche Zeugnisse vor.

Als der thüringische König Hermannfried um die Hand der Amalaberga, der Nichte des großen Ostgotenkönigs Theoderich, warb, schickte er als Brautgabe an Theoderich thüringische Rosse, deren Vorzüge sehr anerkennend in einem Briefe Theoderichs an Hermannsfried geschildert werden. In der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts legte Siegbert, der Sohn des fränkischen Königs Chlotar I , Mittelthüringen einen jährlichen Zins von 500 Schweinen, die an den königlichen Hof zu liefern waren, auf.

Von den Beziehungen unserer Vorfahren zur Pflanzenwelt legen Namen, wie Lindenau, Lindenburg und andere Orte Zeugnis ab.

Schwierig sind die aus dem Slavischen stammenden Ortsnamen zu erklären, Die ersten Slaven erreichten Ende des 6 Jahrhunderts Elbe und Saale. Die Hauptmasse siedelte sich erst im Laufe des 8 Jahrhunderts im östlichen Thüringen an. Slavische Ortsnamen wie Pößneck, Liebau, Gebersdorf, Treppendorf (ursprünglich Trebunesthorp), Brattendorf und Molau enthalten slavische Personennamen: Rozdnit, Ljubo, Javor Trebunu, Braton und Mol - vermutlich die Namen der Gründer oder ersten Ansiedler.

Lehesten - kommt vom slavischen Lestpa (Haselbusch)

Döhlau von dolan (Thalbewohner)

Crösten von chrast (Gesträuch)

Viele slavische Ortsnamen enden auch mit „itz" und „ütz" und sind überwiegend aus slavischen Personennamen gebildet worden.

Karl der Große versuchte die Slaven an ein weiteres Vordringen zu hindern und zum Schutz gegen sie errichtete er die Mark Thüringen. Die Slaven wurden ostwärts zurückgedrängt und das verlassene Gebiet wieder von Germanen besetzt. Slavische Kriegsgefangene wurden als Leibeigene an deutsche Edelinge verteilt und diese verwendeten sie oft kolonienweise auf ihren Gütern als Arbeiter und Knechte.

Verschiedene Orte verraten in ihren Namen, dass sie solchen Vorgängen ihr Dasein verdanken. So bedeutet Poppenwind „zu den Wenden des Grafen Poppo"!. Herlarts wird „zu den Wenden des Herbert" und Oberwind „zu den Wenden in hoher Wohnanlage".

erstellt von Kornelia Neuner im Januar 1999