Inquisition

Die Inquisition ist eine Einrichtung einer Kirche, die sich auf das Evangelium beruft. Warum hat die Religion der Liebe und Duldsamkeit,  Menschen lebendig verbrennen lassen, die ihre Lehren nicht freiwillig annehmen wollten ? Schon im Neuen Testament finden sich die ersten Keime des Schreckens, den später die Ketzerei einflößen sollte. Hat Jesus nicht selbst in einem Bilde, das später wörtlich genommen wurde gesagt (Ev. Joh. Kap. 15 v. 6 ):"Wer nicht in mir bleibet, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorret, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und muß brennen." Die Inquisitoren berufen sich auf diese Stelle, und legen sie zu ihren Gunsten aus.
Ende des 12 Jahrhunderts stand die Kirche vor einem Wendepunkt, sie hatte sich zur Herrin der Christenheit aufgeschwungen. Die Priester verfügten über keine irdische Streitmacht und  beschränkten ihre Gewalt auf die Seelen und Gewissen der Menschen . Kein Mensch konnte Hoffnung auf ein ewiges Heil haben, wenn er sich nicht in allen Stücken als gehorsamer Sohn der Kirche zeigte und nicht bereit war, die Waffen zu ihrer Verteidigung zu ergreifen. Der päpstliche Befehl, ob gerecht oder ungerecht, mußte auf alle Fälle ausgeführt werden , denn gegen den Statthalter Petri gab es keine Berufung.
Das Schicksal der Menschen lag in den Händen derer, welche die für die ewige Seligkeit notwendigen Sakramente austeilen oder vorenthalten konnten.
So übte der niedrigste Priester eine übernatürliche Gewalt aus, die ihn weit über das gewöhnliche Niveau der Menschen  hinaushob. Was er auch immer für Verbrechen begehen mochte, die weltliche Gerichtsbarkeit konnte ihn nicht verhaften. Er war nur den Gerichtshöfen  seines eigenen Standes verantwortlich, diesen aber war es verboten, Strafen zu verhängen, die Blutvergießen mit sich brachten. Dasselbe Vorrecht beschützte auch das Eigentum der Kirche, das gerade keinen kleinen Teil der fruchtbarsten Ländereien Europas umfaßte.
Die Kluft zwischen Laien und Geistlichen wurde noch erweitert und vertieft durch das Kanonische Gesetz der Ehelosigkeit.
Der welcher in den Dienst der Kirche trat, hörte auf Bürger zu sein. Sein Vaterland und seine Heimat war die Kirche, ihre Interessen waren auch die seinen. Die kirchliche Laufbahn war die einzige , die Männern von jeden Rang und jeder Stellung offenstand.  In der Kirche jedoch konnten zwar Rang und Familienverbindungen viel zur Erlangung einer hohen Stellung beitragen, aber anderseits konnten sich Talent und Energie auch bei niedriger Geburt sich ihren Weg bahnen.
Die Gesamtheit der Christen bildete nicht mehr die Kirche, sondern war geteilt in zwei verschiedene Klassen, nämlich die Hirten und die Schafe, die letzteren waren geneigt zu glauben, daß sie aufgezogen würden um geschoren zu werden.
Die Ziele der Kirchenmänner waren mehr weltliche als geistliche. Reiche Abteien und mächtige Bistümer wurden allgemein als geeignetes Mittel zur Versorgung der jüngeren Söhne adliger Häuser oder zur Vermehrung des Einflusses leitender Familien betrachtet.
Wenn der Bannfluch nicht ausreichte, um ruhelose Vasallen oder übergreifende Nachbarn zur Vernunft zu bringen, war man mit den irdischen Waffen schnell bei der Hand. Die Schändung des bischöfischen Amtes ist eine lange Reihe von Skandalen:
Beispiel
Der Erzbischof von Besancon, Gerhard von Rougemont lebte in Blutschande mit seiner Verwandten, der Abtissin von Remiremont, und im Konkubinat mit anderen Frauen von denen die eine, eine Nonne, die andere die Tochter eines Priesters war.
Für wie einträglich die Bischofswürde galt, beweist statt vieler anderen Geschichten die folgende:
Ein Bischof war zu Jahren gekommen und rief nun seine Neffen und andere Verwandten zu sich, damit sie sich darüber zu verständigten, wer sein Nachfolger werden solle. Sie einigten sich auf einen von ihnen und borgten gemeinsam die große Summe, welche zum Kauf der Wahl erforderlich war.
Eine der fruchtbarsten Quellen des Streites und der Unzufriedenheit war der Zehnte, er wurde früher in vier Teile geteilt, je einen für den Bischof, den Pfarrer, den Kirchenbau und die Armen, aber in einer Zeit, in der die Erwerbgier am stärksten war, nahmen Bischof und Pfarrer jeder so viel er bekommen konnte, so daß die Kirche nur wenig und die Armen überhaupt nichts bekamen.
Die Beichte die jetzt für die Gläubigen obligatorisch wurde und eine ausschließliche Amtshandlung der Priester war, bot hierbei ein weites Feld für Erpressungen aller Art. Manche Priester schätzten das Sakrament der Buße so niedrig ein, daß sie für ein Hühnchen oder einen halben Liter Wein Absolution von jeder Sünde erteilten.
Beispiel:
Ein Priester in Soest, namens Einhard, tadelte scharf einen Beichtenden, weil er während der Fastenzeit sich seiner Frau nicht enthalten hatte, und von ihm 18 Denare verlangte, damit er 18 Messen für sein Seelenheil lesen könne. Ein anderer kam und bekannte, daß er Enthaltsamkeit geübt hätte, er erhielt die gleiche Strafe, weil er die Gelegenheit versäumt habe, ein Kind zu erzeugen, wie es seine Pflicht gewesen wäre.
Aber der gläubige Christ wurde nicht nur während seines Lebens bei jeder Gelegenheit gerupft, die Gewinnsucht wurde bis an sein Totenbett ausgedehnt und selbst sein Leichnam hatte einen Spekulationswert für die Teufel, die sich darum stritten.
Die notwendigen Sterbesakramente für das Seelenheil wurden oft verweigert, wenn der Priester nicht eine ungesetzliche Gebühr oder sonst eine Gabe bekam. Um das Jahr 1170 dekretierte Alexander III, daß man nur in Gegenwart seines Pfarrers ein gültiges Testament machen könne. An einigen Orten wurde sogar der Notar, der in Abwesenheit des Priesters ein Testament anfertigte, exkommuniziert und dem Leichnam des Erblassers ein christl. Begräbnis verweigert. Als Grund gab man an, ein Ketzer solle dadurch gehindert werden, sein Vermögen Ketzern zu hinterlassen.
Der Papst vernachlässigt alle seine Pflichten. Er will sich bereichern, kümmert sich aber nicht um die Armen. Sein Ziel ist es Schätze zu sammeln, sich bedienen zu lassen. Für schönes, bares Geld verteilt er Bischofsitze.
Jeder entartet, jeder gibt ein schlechtes Beispiel. Diese Leute verkaufen um die Wette Sakramente und Messen. Sie machen es wie Bettelmönche, die unter der Hülle ihres Mantels die Welt täuschen und sich auf ihre Kosten nähren. Eine solche Religion mußte die Ketzerei hervorrufen, eine solche Priesterschaft Empörung erwecken.
Da die Fürsten nicht nur selbst recht gläubig sein mußten, sondern auch zur Erhaltung der Reinheit des Glaubens durch die volle Anwendung ihrer Macht gegen Ketzer verpflichtet seien, wurde allgemeine Lehre der Kirche.
Die Todesqualen, denen die Märtyrer zu Zeiten der Verfolgung  ausgesetzt wurden, schienen eine ähnliche Strafe für Ketzer vorauszusetzen und sie in gewisser Weise zu rechtfertigen. Da die Ketzerei als das größte Verbrechen angesehen wurde, war der Scheiterhaufen das geeignete Mittel , die Bestrafung so streng und eindrucksvoll wie möglich zu machen.
Bei den Verfolgungen wegen Ketzerei sprach der kirchliche Gerichtshof keine Bluturteile aus. Er lieferte ihn der weltlichen Behörde aus, mit der heuchlerischen Bitte, Gnade an ihn zu üben, sein Leben zu schonen und sein Blut nicht zu vergießen. Was diese Bitte um Gnade in Wirklichkeit für eine Bedeutung hatte, läßt sich leicht aus der Lehre der Kirche über die Pflichten der weltlichen Macht ersehen.
Der Erlass Lucius III, auf dem sogenannten Konzil von Verona im Jahre 1184, gebot allen Machthabern, vor ihren Bischöfen eidlich zu geloben, daß sie die kirchlichen und weltlichen Gesetze gegen die Ketzerei voll und wirksam durchführen wollten. Die Kirche zwang die weltl. Herren zur Verfolgung der Ketzer und wollte von Gnade nichts wissen. Jede Verzögerung wurde mit Exkommunikation bestraft. Es wurde allen Christen eingeschärft, daß es ihre höchste Pflicht sei die Ketzer auszurotten.
Der Sohn mußte seinen Vater verraten, der Gatte ward schuldig wenn er sein Weib nicht einen schrecklichen Tod auslieferte. Jedes menschliche Band wurde durch die Schuld der Ketzerei getrennt.
Während die Kirche im 11 und 12 Jahrhundert in Bezug auf die Behandlung der Ketzer geschwankt hatte, ist im 13. Jahrhundert, in dem sie in einem Kampf auf Leben und Tod mit dem Sektieren verwickelt war, nichts mehr von dieser Unsicherheit zu merken.
Es schien unerträglich, wenn jemand seine Schlechtigkeit mit Erfolg verbergen konnte und vor dem Tode die Sakramente empfangen hatte, und er war nicht nur seiner Strafe entgangen, sondern sein Eigentum war an seine Erben unrechtmäßig übergegangen und mußte diesen also abgenommen werden.
Ein Ketzer durfte nicht auf geweihten Boden begraben werden, wenn sie aber irrtümlicher Weise ein christl. Begräbnis bekamen und sie der Ketzerei entdeckt wurden, so mußten sie wieder ausgegraben werden und wurden verbrannt.
Das Zeitalter war grausam, die Menschen waren gewohnt sich mehr auf die Kraft  als auf die Überredung zu verlassen, und sahen gewöhnlich gleichgültig auf menschliches Leiden herab. Wie erbarmungslos die Menschen miteinander umgingen, sieht man an  den mittelalterlichen Strafgesetzen:  Das Rad, der Kessel mit siedenden Öl,  Lebendigverbrennen,  Lebendigbegraben, lebendig die Haut abziehen, mit wilden Pferden  zerreissen.
Friedrich II, ließ gefangene Rebellen vor seinen Augen zu Tode verbrennen. Er soll sie sogar in Blei eingeschlossen haben, um sie langsam zu rösten.
Es ist Tatsache, daß das Volk ebenso begierig wie seine Hirten war, die Ketzer auf den Scheiterhaufen zu schicken.
Bernhard Guidonis, der erfahrenste Inquisator der Zeit um das Jahr 1320, meint der Inquisitor müsse fleißig und glühend sein in seinen Eifer für die religiösen Wahrheiten, für die Rettung der Seelen und die Vertilgung der Ketzerei. Er müßte stark an Körper sein, denn körperliche Schlaffheit lähme die Kraft des Handelns. Er dürfe sich nicht rühren lassen durch Bitten und Schmeicheleien. Der Inquisitor trug die einfachen Kleider seines Ordens.
Als Richter beschützte der Inquisitor den Glauben und rächte Gott für das durch Häresie ihm zugefügte Unrecht, aber er war auch Beichtvater, bemüht um die Rettung der unglücklichen Seelen. In dieser doppelten Eigenschaft handelte er mit einer Amtsgewalt, die weit höher war als die eines irdischen Richters. Auf die Methoden, deren er sich bediente, kam es wenig an, wenn nur seine heilige Mission erfüllt ward.
Wenn der Missetäter um Gnade für sein Verbrechen  bat, so mußte er rückhaltlose Unterwerfung leisten, damit ihn der geistliche Vater von den endlosen Qualen der Hölle zu bewahren suchte. Das erste, was man bei seinen Erscheinen vor Gericht von ihm verlangte, war die Ablegung eines Eides, durch den er gelobte, den Geboten der Kirche zu gehorchen, auf alle Fragen wahrheitsgemäß zu antworten, alle ihn bekannten Ketzer zu verraten und jeglicher Buße sich  unterwerfen zu wollen , die ihm auferlegt werden würde. Wer diesen Eid verweigerte, bekannte sich dadurch sofort als trotziger und hartnäckiger Ketzer und mußte dem weltlichen Arme ausgeliefert werden.
Das erste und schnellste Mittel zur Gewinnung eines Geständnisses war natürlich das Verhör der Angeklagten. Hierauf bereitete sich der Inquisitor vor, indem er alle Schuldbeweise sammelte und studierte, während man den Angeklagten in vollständiger Unkenntnis über die gegen ihn erhobenen Anklagen ließ.
Ein erfahrener Inquisitor hat als Richtschnur für seine Nachfolger ein Musterverhör eines Ketzers ausgearbeitet:

Wenn ein Ketzer zum ersten Male zum Verhöre vorgeführt wird, so nimmt er eine zuversichtliche Miene an , als ob er sicher sei im Gefühle seiner Unschuld
. Ich frage ihn, warum er vor mich gebracht sei. Lächelnd und artig erwidert er : Herr, es würde mich freuen, von euch den Grund zu erfahren!
Ich : Ihr seid angeklagt, ein Ketzer zu sein und anders zu glauben und zu lehren als die heilige Kirche.
Angeklagter: (indem er seine Augen gen Himmel erhebt und eine Miene gläubiger  Frömmigkeit annimmt): O Gott , du weißt, daß ich dessen unschuldig bin, und daß ich niemals irgend einen anderen Glauben bekannt habe als den des wahren Christentums.
Ich: Ihr nennt euren Glauben christlich, weil ihr unserern für falsch und ketzerisch anseht; aber ich frage euch, ob ihr jemals einen anderen Glauben für ebenso wahr gehalten habt als den, welchen die römische Kirche für wahr hält.
A: Ich glaube den wahren Glauben, den die römische Kirche glaubt, und den ihr uns öffentlich lehrt.
Ich: Vielleicht leben einige von eurer Sekte in Rom. Diese nennt ihr die römische Kirche . Wenn ich predige, so rede ich von vielen Dingen, von denen einige uns beiden gemeinsam sind, z. B. daß es einen Gott gibt, und ihr glaubt etwas von dem , was ich predige. Nichtsdestoweniger könnt ihr ein Ketzer sein, weil ihr andere Dinge glaubt als die, welche geglaubt werden müssen.
A: Ich glaube alles, was ein Christ glauben muß.
Ich: Ich kenne eure Schliche. Was die Mitglieder eurer Sekte glauben, das haltet ihr für das, was ein Christ glauben muß. Aber wir verlieren Zeit bei diesem Wortstreite. Sagt einfach: Glaubt ihr an einen Gott, den Vater, den Sohn und den hl. Geist?
A: Ich glaube es.
Ich: Glaubt ihr an Jesum Christum, geboren aus der Jungfrau, der gelitten hat und auferstanden und aufgefahren ist gegen Himmel ?
A: (freudig und schnell) Ich glaube.
Ich: Glaubt ihr, daß bei der von dem Priester celebrierten Messe das Brot und der Wein durch göttliche Kraft in den Leib und das Blut Jesu Christi verwandelt werden?
A: Sollte ich das nicht glauben?
Ich: Ich fragte nicht, ob ihr das nicht glauben sollt, sondern ob ihr das glaubt.
A: Ich glaube alles, was ihr und andere gute Doktoren mir zu glauben vorstellt.
Ich: Diese guten Doktoren sind die Lehrer eurer Sekte; wenn ich mit ihnen übereinstimme, glaubt ihr auch mir; wenn nicht, nicht.
A: Ich glaube gern wie ihr, wenn ihr mich lehrt, was gut für mich ist.
Ich: Ihr haltet es für gut, wenn ich dasselbe lehre, was eure Lehrer auch lehren. Sage also, glaubst du, daß der Leib unseres Herrn Jesu Christ auf dem Altare ist?
A: (schnell) Ich glaube es.
Ich: Ihr wisset, daß ein Leib da ist, und daß alle Leiber von unserem Herrn sind. Ich frage euch, ob der Leib, der dort ist, der Leib des Herrn ist, der geboren war von der Jungfrau Maria, der am Kreuze gehangen hat, der von den Toten auferstanden und gen Himmel aufgefahren ist u. s. w. ?
A: Und ihr Herr, glaubt ihr es nicht?
Ich : Ich glaube es durchaus.
A: Ich glaube es ebenso.
Ich: Ihr glaubt, daß ich es glaube; aber ich frage euch nicht darnach; ich frage euch vielmehr , ob ihr es glaubt?
A:    Wenn ihr alle meine Worte in anderer als in klarer und einfacher Weise auslegen wollt, dann weiß ich nicht mehr, was ich sagen soll. Ich bin ein einfacher und unwissender Mann. Ich bitte euch, mir keine Schlinge aus meinen eigenen Worten zu machen.
Ich: Wenn ihr einfach seid, so antwortet mir einfach ohne Ausflüchte.
A: Gerne
Ich: Wollt ihr also schwören, daß ihr nie etwas gelernt habt, was dem Glauben, den wir für wahr halten, widerspricht?
A:(erbleichend) Wenn ich schwören muß, so schwöre ich gerne.
Ich: Ich frage nicht, ob ihr schwören müßt, sondern ob ihr schwören wollt.
A : Wenn ihr mir befehlt, zu schwören, will ich schwören.
Ich: Ich will euch nicht zwingen, zu schwören, weil ihr, da ihr Eide für ungesetzlich haltet, mir der ich euch zwang, die Sünde zuschieben würdet; aber wenn ihr schwören wollt, will ich euren Eid entgegennehmen.
A: Warum soll ich schwören, wenn ihr es mir nicht befehlt?
Ich: Damit ihr den Verdacht, ein Ketzer zu sein, von euch abwälzet.
A: Mein Herr, ich weiß nicht, wie ich schwören soll, wenn ihr es mich nicht lehret.
Ich: Wenn ich zu schwören hätte, so würde ich meine Hand aufheben, meine Finger ausstrecken und sagen: So wahr mir Gott helfe, habe ich nie Ketzerei kennengelernt, noch etwas geglaubt, was im Widerspruch steht zum wahren Glauben.
Alsdann stottert er, als ob er die Formel nicht wiederholen könnte, so daß kein förmlicher Eid heraus kommt und man doch glaubt, er habe geschworen. Oder er verdreht die Worte so, daß er gleichfalls nur scheinbar schwört. Oder er verwandelt den Eid in eine Gebetsformel z. B.: Gott helfe mir, daß ich kein Ketzer bin!"Gefragt, ob er geschworen habe, wird er sagen: Hörtet ihr mich nicht schwören? Wird er dann weiter hart gedrängt, so fängt er an, an das Mitleid des Richters zu appelieren, indem er spricht: Mein Herr, wenn ich Unrecht getan habe, so will ich gerne die Buße tragen; nur helft mir, von einer Anklage mich zu reinigen, der ich aus Bosheit und ohne mein Verschulden preisgegeben wurde. aber ein energischer Inquisitor darf nicht zugeben, daß in solcher Weise auf ihn eingewirkt wird; er muß vielmehr entschlossen vorgehen, bis er solche Leute entweder zum Geständnisse ihres Irrtums oder zur öffentlichen Abschwörung der Ketzerei veranlasst, so daß sie, wenn sich später herausstellt, daß sie falsch geschworen haben, ohne weiteres Verhör dem weltlichen Arme überliefert werden können. Wenn jemand  darin einwilligt, zu schwören, daß er kein Ketzer ist, so sage ich zu ihm: Wenn ihr nur schwören wollt, um den Scheiterhaufen zu entgehen, so wird weder ein Eid, noch zehn, noch hundert, noch tausend genügen, weil ihr euch gegenseitig von einer gewissen Zahl von Eiden, die ihr in der Zwangslage geleistet habt, dispensiert; ich werde daher unzählige Eide fordern. Ausserdem werden eure Eide, wenn ich, wie ich glaube, Beweise wider euch besitze, euch nicht vor dem Feuertode bewahren. Ihr werdet nur euer Gewissen beflecken, ohne dem Tode zu entgehen zu können. Wenn ihr dagegen einfach euren Irrtum bekennt, könnte ihr Gnade finden! Ich habe Menschen gesehen, die,  in solcher Art bedrängt, schließlich Geständnisse ablegten.
Es kam gleichwohl bisweilen vor, daß die Unschuld oder Verschlagenheit des Angeklagten über alle Bemühungen des Inquisitors triumphierte. In diesem Falle mußte er zu weiteren Hilfsmittel greifen. Wir können sie in zwei Klassen einteilen: die Täuschung und die Tortur.
Der Gefängniswärter wurde angewiesen sich durch erheucheltes Interesse und Mitgefühl in das Vertrauen der Gefangenen einzuschleichen und sie dann zu drängen sogleich ein Geständnis abzulegen. Man wies darauf hin, daß eine wohlabgewogende Einschränkung der Nahrung nicht nur den Körper sondern auch den Willen schwäche und  den Gefangenen weniger widerstandsfähig mache gegen die mit Versprechungen der Gnade abwechselnden Todesdrohungen.
Die Folter ersparte die Mühe und die Unkosten einer langen Gefangenschaft, um ein erwünschtes Geständiss zu erlangen. Wenn ein Gefangener beim ersten Verhör kein Geständnis ablegte wurden ihm 24 Stunden Bedenkzeit gegeben um seine Aussagen zu berichtigen. Dann wurde er am folgenden Morgen gefoltert und in einem gefügigeren Zustande zurückgebracht. Die Folter sollte massvoll angewandt und Blutvergießen gewissenhaft vermieden werden. Die von der Inquisition gewöhnlich auferlegten Bußen waren gering an der Zahl. Sie bestanden zunächst in frommen Werken, wie dem Hersagen von Gebeten, dem Besuch von Kirchen, Geißelung, Fasten, Pilgerfahrten und Geldstrafen. Nach ihnen kamen die poenae confusibiles, die demütigenden und entehrenden Bußen, von denen die schwerste in dem Tragen gelber Kreuze bestand, welche auf die Kleider genäht wurden.
Die härteste Strafe war das Gefängnis. Dem Sünder wurde der Weg zurück zum Schoß der Kirche hart gemacht.
Beispiel:
Der Büßer sollte, bis zum Gürtel entblösst, an drei aufeinanderfolgenden Sonntagen von dem Priester gegeißelt werden, und zwar von dem Eintritte in die Stadt Treville an bis zur Kirchentüre. Er mußte sich für immer des Fleisches , der Eier und des Käses enthalten, ausgenommen Ostern, Pfingsten und Weihnachten wo er diese Lebensmittel essen mußte. Zweimal im Jahre mußte er, sich 40 Tage lang des Fisches enthalten und 3 Tage in jeder Woche des Fisches, des Weines und des Öles, und er mußte vollständig fasten. Er mußte Mönchskleider tragen mit zwei kleinen auf die Brust aufgenähten Kreuzen. Wenn möglich mußte er täglich die Messe hören und an den Festtagen der Vesper beiwohnen, siebenmal am Tage die kanonischen Stundengebete sprechen, zehnmal an jedem Tage das Vaterunser und zwanzigmal in der Nacht. Er mußte die strengste Keuschheit beobachten. Jeden Monat mußte er diese Vorschrift dem Priester zeigen, der die Erfüllung der Buße scharf zu überwachen hatte.
Wenn ein Büsser starb, bevor er seine Buße vollendet hatte, wurde Genugtuung von den Erben des Verurteilten verlangt. Das Vermögen wurde konfisziert..
Es liegt etwas besonders Abstoßendes in dieser Habgier, mit welcher selbst diejenigen, die in Demut bekannt und bereut hatten und in den Schoß der Kirche wieder aufgenommen worden waren, noch über das Grab hinaus verfolgt wurden.
Es gab zwei Arten von Einkerkerungen die mildere und die härtere, beide nur bei Wasser und Brot. Bei der milderen Form, wenn sich die Gefangenen gut führten, wurden ihnen erlaubt sich auf den Korridoren körperliche Bewegung zu verschaffen. Bei der härteren Einschließung wurde der Gefangene in die kleinste, dunkelste und ungesundeste Zelle geworfen, mit Ketten an den Füssen bisweilen auch an die Wand gekettet.
Die Feudalherren und die Städte, welche zu Unterhalt der Gefängnisse verpflichtet waren, sahen darin nur eine schwere Last, die sie mit Freuden abzuschütteln bereit waren. Wenn sie infolge von schlechter Behandlung und von Hunger umkamen, so bedeutete das nur eine Ausgabeersparnis.
Der Zweck der Inquisition ist die Vernichtung der Ketzerei, die Ketzerei kann aber nicht vernichtet werden , wenn nicht die Ketzer vernichtet werden, die Ketzer können nicht vernichtet werden, wenn ihre Beschützer und Begünstiger nicht vernichtet werden, dies kann aber auf eine zweifache Weise geschehen, indem nämlich die Ketzer entweder zum wahren kath. Glauben bekehrt oder dem weltlichen Arme zur leiblichen Verbrennung ausgeliefert werden.
Die Kirche betrachtete die Verbrennung eines Ketzers als eine so hervorragend fromme Tat, daß sie sogar allen, die Holz für die Scheiterhaufen herbeibrachten, einen vollkommenen Ablass gewährte, sie übernahm somit  die volle Verantwortung für die Hinrichtungen.
Der Ketzer wurde lebendig an einen Pfahl gebunden, der hoch genug über den Haufen von Brennmaterial hinausragte, um es den Gläubigen zu ermöglichen, jeden Akt der grausamen Tragödie bis zum Ende zu verfolgen, Diener der Kirche waren bis zum letzten Augenblick um ihn, um, wenn möglich, dem Satan seine Seele zu entreißen.
Beispiel:
Was die genaueren Einzelheiten angeht, so besitzen wir zufällig den Bericht eines Augenzeugen über die Hinrichtung des Huss zu Konstanz im Jahre 1415. Nach diesem Berichte musste sich Huss auf ein paar Reisigbündel stellen und wurde sodann mit Stricken fest an einen dicken Pfahl gebunden. Die Stricke waren um die Knöchel, unter und über dem Knie, in der Leistengegend, um die Hüften und unter den Armen befestigt. Als man bemerkte, daß er nach Osten blicke, was sich für einen Ketzer nicht geziemte, wurde er nach Westen herumgedreht. Mit Stroh vermischte Reisigbündel wurden bis zum Kinn um ihn aufgehäuft. Dann näherte sich der Pfalzgraf Ludwig, welcher die Hinrichtung leitete, mit dem Marschall von Konstanz und forderte Huss zum letzten Male zum Widerrufe auf. Als er sich weigerte, zogen sie sich zurück und gaben durch Händeklatschen dem Henker das Zeichen, den Holzstoss anzuzünden. Nachdem alles verbrannt war, folgte eine empörende Szene: man nahm den halbverkohlten Leichnam, zerstückelte ihn, zerbrach die Knochen und warf die Überreste und die Eingeweide auf einen neuen Holzstoss, um sie vollständig zu vernichten. Wenn das Feuer erloschen war, wurde die Asche des Ketzers gesammelt um sie in fliessendes Wasser zu werfen, damit die Reliquien der Märtyrer nicht aufbewahrt werden konnten.
Von all dem Unheil, das die Inquisition angerichtet hat, war vielleicht das schlimmste, daß bis zum Ende des 16 Jahrhunderts in dem größten Teil Europas das Inquisitionsverfahren wie es zur Vernichtung der Ketzerei entwickelt worden war, allgemein dem Angeklagten gegenüber angewandt wurde.
 
 

                                                                    Inquisition in Deutschland

Im Jahre 1209 begleitete der Bischof von Strassburg, Heinrich von Veringen, König Otto IV. auf seinem Krönungszuge nach Rom. Einige der Geistlichen des kaiserlichen Gefolges waren empört über die fast offene Duldung von Ketzern in der päpstlichen Hauptstadt. Bei den Auseinandersetzungen, die sie darauf mit den italienischen  Prälaten hatten, wurde ihnen empfohlen, selbt in ihren Diözesen schärfer auf die Rechtgläubigkeit zu achten. Das soll zur Folge gehabt haben, daß Bischof Heinrich bei seiner Rückkehr einige eifrige Theologen mit sich nahm, die bereit waren, Glaubensirrungen zu ahnden. Schon eine kurze Prüfung zeigte ihm zu seinem Entsetzen, daß sein Land voll Ungläubiger war. Weiterer Nachforschungen führten alsbald zur Verhaftung von 500 Personen aller Gesellschaftsklassen. Heinrich, für seine Zeit , ein mild denkender Mensch, versuchte zunächst redlich, sie zu bekehren und richtete zu diesem Zwecke Disputationen ein. Alle seine Geistlichen waren, was Kenntnis der Schrift anging, den Sektierern nicht gewachsen, so daß der Glauben nur wenig Nutzen von diesem Versuche hatte.
So mußte man zu strengeren Massregeln greifen, und so verkündete er, daß alle welche hartnäckig blieben, verbrannt werden sollten. Das brachte die meisten zur Besinnung. Etwa Hundert aber blieben dank der Überredungskunst ihres Führers, eines Strassburgers Priesters, namens Johann standhaft, darunter 12 Priester, 23 Frauen und eine Anzahl Adliger (im Jahre 1212).
Den bischöflichen Beamten war das Verfahren gegen Ketzer unbekannt, sie wußten nicht wie sie die Widerspenstigen verurteilen sollten. So nahm man Zuflucht zu dem alten Gottesurteil des heißen Eisens. Natürlich kamen nur wenige mit heiler Haut davon.
Zu Strassburg um das Jahr 1217 wurden 80 halsstarrige Ketzer überführt und alle an dem- selben Tage vor den Mauern in einer Grube verbrannt, die im 16 Jahrhundert noch immer unter den Namen Ketzergrube bekannt war .
Das Eigentum der Verurteilten wurde konfisziert und unter den Behörden und denjenigen Personen verteilt, welche erfolgreich zur Verteidigung  des Glaubens beigetragen hatten.
Strassburg war nicht der einzige Ketzerort in Deutschland, aber es ist zufällig mit voller Ausführlichkeit überliefert worden.
Die Katharer scheinen aus Deutschland fast ganz verschwunden gewesen zu sein. Die Waldenser waren zahlreich ebenso die Ortlieber. Die Ortlieber waren durch ihre fast unüberwindliche Hartnäckigkeit die Hauptfeinde,  mit denen die Inquisition zu kämpfen hatte.
Amalrich von Bena, ein Günstling des mutmaßlichen Thronerben, des Prinzen Ludwig, hatte gelehrt, daß Gott das innerste Wesen aller Geschöpfe sei, und daß, wie das Licht nicht an und für sich, sondern nur in der Luft gesehen werden kann, so auch Gott nur in seinen Geschöpfen sichtbar sei. Diese Ansicht beseitigte die Lehre vom Fegefeuer und der Hölle, durch welche die Kirche durch die Gewalt die guten Werke, das Gewissen und die Besitztümer der Menschen beherrschte. Wie diese Lehren, die das kirchliche System zerstörten, so untergruben sie auch die Sittlichkeit durch die Behauptung, daß alles, was aus Liebe und Mitleid geschehe keine Sünde sein könne, und daß jeder , der vom hl. Geiste erfüllt sei, sündenlos bleibe, gleichgültig was für ein Verbrechen er begehe, denn da jener Geist Gottes nicht sündigen könne, so könne es auch der Mensch nicht, solange der Geist Gottes in ihm wohne. Selbst der strenggläubige Cäsarius von Heisterbauch behauptet, den Heiligen stehe vieles frei, was den Sündern verboten sei, da dort , wo der Geist Gottes sei, auch die Freiheit wohne. Liebe deinen Nächsten und tue, was die gefällt - das wurde hier Maxime.
Die amalricianische Ketzerei wurde schnell unterdrückt. Vier Anführer wurden auf Lebenszeit eingekerkert, während 10 den Scheiterhaufen besteigen mußten. Die Überreste Amalrichs wurden ausgegraben und den Hunden vorgeworfen, seine Gebeine auf die Felder gestreut.
Die Saat dieser Lehre war jedoch weit und breit ausgestreut und trug Früchte auf fremden Boden.
Konrad von Marburg, ein Weltpriester der in vollständiger Armut lebte, und sein Brot durch Betteln verdiente, wurde in der Kirche als größter Glaubensbote verehrt, und hätte auf jegliche Würde Anspruch erheben können. Seine feurige Seele und seine rastlose Tatkraft waren einzig und allein auf das Werk Gottes gerichtet. Von finsteren Wesen und beschränkten Geiste trieb er seine Bigotterie bis zu Gipfel des Wahnsinns. Wie er seine unbegrenzte Macht missbrauchte, kann man beurteilen nach dem Verfahren, das er als Beichtvater und Seelsorger der hl. Elisabeth von Thüringen einschlug. Mit 18 Jahren vertraute sie sich der Leitung Konrads an, der diese Frau mit der Grausamkeit eines Dämons zu knechten begann. Als er sie einst zu einer Predigt eingeladen hatte, und sie wegen des unerwarteten Besuches ihrer Schwägerin, der Markgräfin  von Meissen, nicht kommen konnte, erklärte er zornig, daß er sie verlassen würde. Sie bat ihn am nächsten Tag um Verzeihung, warf sich mit ihren Dienerinnen , ihm zu Füssen. Er tadelte Elisabeth und ihre Dienerinnen ließ sie alle bis aufs Hemd entkleiden und gründlich geißeln. Dieser Mann flößte ihr so einen Schrecken ein, daß sie zu sagen pflegte: Wenn ich einen sterblichen Menschen so sehr fürchte, wie sehr muß dann erst Gott zu fürchten sein?
Als den sichersten Weg zum Seelenheil sah Konrad nur die rohe Gewalt, geistige und körperliche Folterungen, er übernahm ganz unbedenklich die Rolle  des rächenden Gottes um die Menschheit für ihre Sünden zu bestrafen.
Konrads strenge, unbeugsame Tugend war für die Kirche ein geeignetes Werkzeug, das unheilbare Geschwür auszubrennen. Er erhielt von der Kirche diskretionäre Gewalt, er brauchte nicht einmal die Verhandlungen anzuhören, sondern nur das Urteil zu fällen. Als  Konrad diese Machtvollkommenheit erhielt, war er so gefährlich krank, daß man an seinem Leben zweifelte, und ehe er sich ganz erholt hatte, starb die hl. Elisabeth am 29. Nov. 1231.
Diejenigen Ketzer, die sich in seinem Bereich fanden, ließ er all seine Macht fühlen, In Marburg wurden viele Verdächtige ergriffen, darunter Ritter, Priester und Personen von Stand und Rang, von denen einige widerriefen, andere dagegen verbrannt wurden. Bei einer Reise nach Erfurt im Jahre 1232, benutzte er die Gelegenheit, vier weitere Opfer den Flammen zu übergeben.
Die weltlichen Behörden erhielten von der Kirche Anweisungen, alle Ketzer die die Inquisitoren als solche bezeichneten, zu verhaften und bis sie zur Verurteilung  zu bewahren, und diejenigen, welche der Ketzerei oder deren Begünstigung überführt wurden, schonungslos einem furchtbaren Tode zu übergeben, Widerrufende und Abschwörende aber einzukerkern. Rückfällige Ketzer sollten mit dem Tode bestraft werden und ihre Nachkommen bis zur zweiten Generation hinab unfähig sein, Lehen zu erhalten oder öffentliche Ämter zu bekleiden.
Konrad wurde am 30. Juli 1233 erschlagen, als er auf den Weg nach Marburg war. Die Anzahl seiner Opfer muß beträchtlich gewesen sein.
Der Tod Konrads sei ein Donnerschlag, der das Heiligtum der Christenheit erschüttert habe, so erklärte der Papst Gregor IV sein Bedauern. Er  könne keine Worte finden, die stark genug, um die Verdienste des Märtyers gebührend zu würdigen, und keine Strafe ausfindig machen, die für die Mörder zu streng sei.
Um die Wende des 13 und 14 Jahrhunderts erregten die gefährlichen Glaubensgemeinschaften gewisser halbklösterlicher Körperschaften, die sich lange der Gunst  und des Schutzes der Kirche erfreut hatten, die unter den Namen Beguinen, Begarden, Lollarden, Celliten u. a. bekannt sind, die Aufmerksamkeit .
Mit der Zeit folgten immer mehr diesen Glaubensgemeinschaften, die ihren Lebensunterhalt durch Betteln verdienten; wie wir im Falle Konrads und der hl. Elisabeth gesehen haben, kam das schon der Heiligkeit nahe. Ihr Ruf in den Straßen :" Brot durch Gott" wurde den Bewohnern der deutschen Städte unangenehm. Die Kirche vesuchte das zu unterdrücken, aber ohne Erfolg. Im Jahr 1287 verbot das Konzil von Lüttich allen, die nicht in den Beguinenhöfen lebten, das Gewand der Beguinen zu tragen. Einige Mitglieder versuchten, ihre Mitbrüder zu überreden, daß sie Gott besser in der Freiheit des Geistes dienen könnten. Einige dieser Brüder des freien Geistes benutzten die Kleidung und den Namen der Begarden und Beguinen und neigten sich mehr und mehr den Lehren Amalichs von Bena zu . Für die Irrtümer der angesteckten Ketzer wurden aber auch die Rechtgläubigen der Gruppe verantwortlich gemacht und drangsaliert. Als einen Zweig , dieser Sekte , können die Luciferianer angesehen werden. Sie waren der Ursprung eines grauenvollen Unheils, das sich später in allen Teilen Europas ausbreitete: Den Hexenverfolgungen.
Der Eifer der Erzbischöfe von Köln fand Nachahmer. In ganz Westfalen waren die Bischöfe Ludwig von Münster, Gottfried von Osnabrück, Gottfried von Minden und Bernhard von Paderborn tätig um die Ketzerei in ihren Diözesen auszurotten.
Im Jahre 1336 ließ der Erzbischof Otto von Magdeburg eine Anzahl Beguinen, die zu den Brüdern der erhabenen Geistes zählten, frei, nachdem sie widerriefen.
Am 1. Mai 1348 erfolgte die Ernennung des Johann Schadeland (Doktor im Dominikanerkloster zu Strassburg) zum päpstlichen Inquisitor für ganz Deutschland.
Im Jahre 1347 brach von Osten her eine Pest, der schwarze Tod, über Europa herein und breitete sich aus. Kein Winkel Europas blieb verschont. Für dieses Elend wurden die Juden verantwortlich gemacht. Sie haben die Pest durch Vergiftung der Brunnen und Weiden verursacht. Solche gegen die Juden erhobenen Anklagen waren nichts neues.
1357 war die Zunahme der Begarden, die ganze Städte und Diözesen zu vergiften drohten, eine Gefahr für die Kirche.
Der Inquisitor, Walter Kerlinger war ein einflussreicher Mann, Kaplan und Günstling des Kaisers, Karls IV, der mit Freude Ketzer verfolgte. 1369 wurde er Dominikanerprovinzial von Sachsen. 1367 verbrannte er mehrere Begarden in Erfurt.
Die Ketzer waren indessen so hartnäckig, daß selbst Massenexekutionen sie nicht unterdrücken konnten.
Die Sitzungen wurden beschleunigt, der Inquisitor nahm sich nicht einmal die Zeit, die Hinrichtungen der Verurteilten beizuwohnen. Nach der Abreise trieben die Fürsten alle Bussfertige und Unbussfertige, zusammen und verbrannten sie, etwa 300 an einem Tage.
Im 15 Jahrhundert fehlte es nicht an Vorzeichen für den Umbruch der im 16 Jahrhundert kommen sollte. Gregor von Heimburg, den Ullmann mit Recht den bürgerlichen Luther des 15 Jahrhunderts nannte. Er, der kühn der Macht Roms widerstand. Im Oktober 1460 wurde er für einen Ketzer erklärt, und allen Gläubigen wurde befohlen ihn zu bestrafen. Gregor ging nach Sachsen, wo ihn Herzog Albert beschützte und ihn mit Sixtus IV aussöhnte, Ostern 1472 wurde er absolviert und starb im August des gleichen Jahres.
 
 

                                                                     Schlußwort - Inquisiton

Während des Mittelalters kannte die christl. Gesellschaft kaum eine größere Plage als die Ablasskrämer (Verkäufer von Ablässen und Gnaden) die durch Europa wanderten, Befreiungen von Bußen und vom Fegefeuer, sowie die zukünftige Zulassung zum Paradies verkauften. Die mit ihren Lügengeschichten die Kirche entehrten, und die Leichtgläubigen um Hab und Gut brachten. Bei einem solchen System kann man sich leicht vorstellen, wes Geistes Kinder die Prälaten und die Priester waren, von denen die Kirche überall heimgesucht wurde. Sie trieben sich in Schenken und Hurenhäusern herum und verschwenden Zeit und Kraft mit Essen, Trinken und Spielen. Glaube und Gerechtigkeit hatten die Erde verlassen, Menschlichkeit oder Güte gab es dort nicht mehr. Die Prälaten und Geistlichen verwenden das Gesetz, so wie es ihnen beliebt.
Die Torheiten und Verbrechen unserer Vorfahren birgt richtig beurteilt Hoffnung und Ermutigung in sich. Gelegentlich rückwärts zu schauen, um den Schleier zu lüften, der die Leiden vergangener Geschlechter verhüllt, und den erreichten Fortschritt richtig  zu ermessen..
So unvollkommen die menschlichen Einrichtungen auch heute noch sein mögen, der Vergleich mit der Vergangenheit läßt uns erkennen, wie wunderbar, sie sich trotzdem schon vervollkommnet hat, und die Tatsache daß dieser Fortschritt das Werk der letzten beiden Jahrhunderte ist und daß diese Entwicklung sich von Tag zu Tag weiter vollzieht ist eine erfreuliche Ermutigung.
 

erstellt von Kornelia Neuner im Oktober 1998