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Die Krayenburg
auf dem Krayenberg
 
 

Aufgrund unserer Familienforschung Kreinberg beschäftigen wir uns auch mit der Namensforschung Kreinberg. Da die Vorfahren meiner Frau namens Kreinberg um 1700 herum im Thüringer Raum ansässig waren, lag es nahe, in dieser Region Nachforschungen anzustreben.
Dabei sind wir mehr oder weniger zufällig auf die Krayenburg und den Krayenberg gestossen.
Den entscheidenden Hinweis auf die Krayenburg entdeckte meine Frau in einem Buch über Sagen und Geschichten aus Thüringen. Hierin wurde über die Flucht von Margarete (Tochter des Kaisers Friedrich) vor ihrem Gemahl - Landgraf Albrecht des Entarteten von Thüringen- von der Wartburg auf die Krayenburg berichtet.
 
 

Wo liegt die Krayenburg ???

Der Krayenberg ist ein südwestlicher Ausläufer des Thüringer Waldes westlich von Tiefenort gelegen. Er erreicht ein Höhe von 431 m und ist im schönen Werra-Tal gelegen.
Auf diesem kegelförmigen Berg befindet sich die Krayenburg. Die Burganlage mit ihrem runden Turm und dem Kupferdach erkennt man schon von weitem. Die Auffahrt zur Krayenburg hat ihren Beginn in der Kreyenbergstraße in Tiefenort (Werra).

L a g e p l a n :

plan.jpg (26210 Byte)
 
 

Über die Geschichte der Krayenburg

Geschichtliche Bedeutung erlangte der Krayenberg mit einer Wall- und Fliehburg schon um 500 Jahre vor der Zeitrechnung. Die Geschichte der Krayenburg beginnt 786, als Karl der Große die Villa Dorndorf einschließlich Zubehör dem Kloster Hersfeld schenkte.Das Kloster brauchte zur Sicherung seiner Besitztümer eine Schutzwarte, die es in der Krayenburg errichtete. Die Frankensteiner bauten die Burg weiter. Im Jahre 1184 verlieh der Kaiser Friedrich der Burg den Gottesfrieden. Als die Frankensteiner ausgestorben waren, fiel die Burg an das Stift Hersfeld.
1407 kam die Krayenburg an das landgräfliche Haus Thüringen. Es kam dann zu einem mehrfachen Besitzerwechsel. Der letzte Besitzer der Burg war Graf Adam von Beichlingen unter dem die Burg zu ihrer höchsten Blüte für die deutsche Geschichte erlangte. Er starb hier am 7.8.1538 und wurde in der Kirche zu Tiefenort beigesetzt.
Der 30-jährige Krieg brachte der Burg durch die Kroaten unter Isolani den Anfang zur Vernichtung.
Nachdem die Burg schon größtenteils verfallen war, hat das Amt Krayenburg noch bis 1879 bestanden

und so muß man sich die Burg früher vorstellen:

modell.jpg (25056 Byte)

Modell der Krayenburg im Vorhof der Klause

Weitergehende und ausführlichere Informationen zur Geschichte der Krayenburg folgen im Nachtrag am Ende dieser Seite !!!!
 

Der Name Krayenberg

Wahrscheinlich hat der Name seine Herkunft vom Wort Krähe - kommt also von "Krähenberg".
Es tauchen in alten Urkunden auch andere Schreibweisen des Namens auf.
So finden sich in der Chronik der Krayenburg (von Herrn Pfarrer Brandt/Tiefenort) weitere Hinweise auf andere Schreibweisen, z.B. 1552 Kraienberg, 1557 Kreinberg.
1365 tauchen in einer Verkaufsurkunde als Zeugen die Gebrüder Lucze und Hermann vom Kreyenberg auf.
Noch frühere Namensträger sind im Stammbaum der Frankensteiner aufgeführt, z.B. 1160/97 Seybold I. auf dem Krayenberg.

Krayenburg-Gemeinde e.V.
Tiefenort (Werra)



Mit der Gründung der Krayenburggemeinde am 25.1.1925 wurde gleichzeitig der Plan gefaßt,
die Burg als geschichtliche äußert bedeutende Stätte wieder zur Geltung zu bringen. Somit wurde der Grundstein gelegt für diesen herrlichen Bau.
Am 25.1.1925 trafen sich auf Anregung des Tiefenorter Forstmeisters Kirschmann Mitglieder der Frankensteingemeinde, des Rhönclubs und des Thüringer-Wald-Vereins auf dem Berg, um über die Erhaltung und den eventuellen Ausbau der Burganlagen zu beraten. Noch im Januar 1925 wurde die Krayenburggemeinde gegründet.
In den ersten Vorstand wurden gewählt:
Carl Schanz (Schultheiß), Karl Rüdiger (Gemeindeschreiber), Max Mäder (Säckelwart) sowie als Beisitzer Forstmeister Kirschmann, Robert Stein, Karl Simon, Hermann Brock und Ernst Will.
Dem strebsamen Schultheiß Carl Schanz, der von der Vereinsgründung bis 1947 dieses Amt inne hatte, dankt man noch heute seinen Einsatz für die Krayenburg.
Die Burgruine hatte es ihm besonders angetan. Mit seinem unermüdlichen Einsatz war es ihm gelungen, Erhaltung von Brauchtum und Traditionen der Heimatregion zu pflegen und zu beleben.
Ebenso wie andere Berg-, Burg- und Waldgemeinden Thüringens wurde auch die Krayenburggemeinde in den Kriegsjahren verboten und löste sich 1947 auf.
Zu DDR-Zeiten wurde die Krayenburg z.B. als Kinderheim oder Jugendwerkhof genutzt.
Es wurden auch Sicherungsmaßnahmen am Palas vorbereitet sowie verschiedene Baumaßnahmen - u.a. das Schutzdach und der Sendemast errichtet.
Nach der Wende in Deutschland erwachte wieder das Interesse an der Krayenburg.
Am 9.März 1990 wurde Ernst Narbei aus Tiefenort zum Schultheiß gewählt. Karl Siebert wurde als Ehrenmitglied aufgenommen, der schon in den zwanziger Jahren in der Gemeinde aktiv war.
Als wir am Dienstag nach dem Osterfest 1998 die Krayenburg besuchten, lernten wirHerrn Narbei persönlich kennen. Er und seine Helfer waren sehr mit dem Ausbau des Rittersaales in der Klause beschäftigt, da hier im Mai 1998 standesamtliche Trauungen durchgeführt werden sollen. Trotz Zeitdruck hieß er uns herzlich auf der Krayenburg willkommen und gab uns sehr viele interessante Informationen zur Krayenburg und Krayenburg-Gemeinde. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön und unsere volle Anerkennung für den Idealismus und die Tatkraft der Krayenberg-Nachbarn und ihren Schultheiß Ernst Narbei.
Bestens informiert auch das Mitteilungsblatt "Die Krayenburg"- Jahresrückblick 1997- über die zahlreichen Aktivitäten der Krayenberg-Gemeinde.
Weitere Infos : Krayenburggemeinde e.V. Schultheiß Ernst Narbei, Am Sandweg 4,
36469 Tiefenort
 
 

Krayenburg Gaststätte

Die Gaststätte liegt versteckt, verträumt und familiär hoch über dem Werratal. Ein Ausflugsziel mit besonderem Flair .... Jahrhunderte zum Anfassen!!
Es handelt sich hierbei um Urlaubs- und Gastronomieerlebnis in unberührter Natur.
Die Gaststätte bietet 80 Plätze und im Jägerzimmer 30 Plätze an. Eine Spezialität ist das Ritteressen in der Klause. Gastlichkeit, die von Herzen kommt, eine erstklassige Küche mit Thüringer  und Rhöner Spezialitäten. Mal übernachten auf einer Burg?? ...  kein Problem, auch dies ist möglich, da Gästezimmer mit Du/WC, Radio, TV vorhanden sind.
Meine Frau und ich haben das Schlemmen auf der Krayenburg und die komfortable Übernachtungsmöglichkeit voll genossen.
Ein Wort des Dankes gilt hier der Krayenberg-Wirtin Frau Gerlach für den freundlichen Empfang und die Verköstigung - obwohl Ruhetag war, wurden wir herzlichst aufgenommen und bedient.
Krayenberg-Gaststätte: Irena Gerlach, Auf dem Krayenberg, 36469 Tiefenort
Tel.: 03695 / 82 40 40    Fax: 03695/ 82 55 40
Neu: Die Krayenburg-Gaststätte ist ab sofort auch per e-mail zu erreichen:
Krayenburg@t-online.de
 
 

Neu: Trauungen auf der Krayenburg

trauung.jpg (64022 Byte)
e-mail: Krayenburg@t-oneline.de


Bilder von der Krayenburg
 
 

ruine.jpg (26841 Byte)
Hauptruine

klause.jpg (29934 Byte)
Krayenburg/Klause

krburg.jpg (22000 Byte)
Ansicht der Krayenburg von der Ruine her gesehen

turmb.jpg (21245 Byte)
Turmblick auf die Hauptruine
 
 

Ein Wort zum Schluß

Oh, du mein Krayenberg, ich sage dir aufs neu,
Oh,  du mein Krayenberg, ich bleibe dir treu!
(Andreas Fack 1929)
 

"Holla ho"
sagen Kornelia und Helmut Neuner

Seite erstellt am 25. April 1998


Weitere Links:
Kapelle
Inventarverzeichnis der Krayenburg
Grundriß der alten Burganlage sowie Bilder und Skizzen von den neuen Ausgrabungen
Name
Frankensteiner
Krayenburg-Regelschule
Die Geschichte der Orte um die Krayenburg
Hörselberg-Bote

Fortsetzung:
An Ostern 1999 besuchten meine Frau und ich erneut die Krayenburg
Einige weitere Bilder:

kburg1.jpg (16618 Byte)

krburg1.jpg (11107 Byte)

kburg2.jpg (11742 Byte)
Gemälde der Krayenburg in der Krayenburg-Klause

kburg3.jpg (8732 Byte)

burg4.jpg (13119 Byte)
Zeichung von Geheimrat J.W. Goethe als er am 7.4.1782 die Krayenburg besuchte

Nachtrag
 
 

Vorbemerkung:

Am 5. August 1999 besuchten Kornelia und ich das Thüringische Hauptstaatsarchiv in Weimar wegen weiterer Nachforschungen über die Krayenburg.

Im umfassenden Werk von Dr. P. Lehfeld mit dem Titel Bau- und Kunst Denkmäler Thüringens Sachsen-Weimar IV Verwaltungsbezirk Dermbach sind auf den Seiten 47 bis 55 sowie im Anhang S. 301 sehr ausführliche Textpassagen sowie Ablichtungen der Krayenburg enthalten.

Seite 47 ff.:

Die Krayenburg.

Der Name der Burg (Kreiinburg, Creinburg, Creberg, Craienburg, etc., welcher nach Mitzschke-Weimar (Mittheilungen an Pfarrer Anhalt) wahrscheinlich als = Krähenburg zu erklären ist, wird zuerst *) erwähnt in der Urkunde Kaiser Friedrichs I. d.d. Verona 4. November 1184 (Dobenecker, Reg. II , Nr. 686), in welcher der Kaiser die dem Stifte Hersfeld gehörige Burg Krayenburg mit den dazu gehörigen Villicationen Breitungen, Tiefenort, Dorndorf, Heiligenroda und Berka a.d.Werra von dem königlichen Spolienrechte befreit (Das Orginal der Urkunde befindet sich im Archiv zu Magdeburg; abgedruckt durch W.Rein, Ztschr. d. Ver. f. thür. Gesch. und Altersthumsk. V, S. 274).

Zum Stift Hersfeld gehörte die ganze Gegend damals schon seit 400 Jahren; denn am 31. August 786 schenkte Kaiser Karl der Große demselben die Villa Dorndorf mit allem Zubehör (Dobenecker, Reg. I, Nr. 55), wozu möglicher Weise auch unsere Krayenburg gehört hat und in der Urkunde des Abtes Willibald von Hersfeld d.d. 18.6.1155 (Dobenecker, Reg.II, Nr. 38) betreffs Kieselbach (s.dort) wird auch castrum nostrum Krayenburg genannt.

Der Ursprung der Burg reicht unzweifelhaft in frühgeschichtliche Zeiten zurück.

Die das Werrathal beherrschende Lage der Burg ist ein Fingerzeig, dass hier schon früh ein Castrum angelegt sein muß.

Als Inhaber werden uns die Grafen von Frankenstein genannt.

Diese waren nachweislich eine Seitenlinie der in Franken sesshaften aber auch weit nach Thüringen hinein begüterten Grafen von Henneberg, die sich im Jahre 1078 nach dem Tode Graf Poppo (verstorben den 7. August 1078 in der Schlacht bei Mellrichstadt) abzweigte.

Demgemäß müssen wir annehmen, dass unser Gebiet alt-hennebergischer Besitz war, den die Henneberger von Hersfeld zu Lehen trugen, und damit gewinnt Anhalts Vermuthung an Wahrscheinlichkeit, dass die Krayenburg von dem Vater oder Großvater jenes Poppo erbaut sei.

Über den Zusammenhang der Frankensteiner mit den Hennebergern sind alle Chronisten und Historiker einig, nur v. Schultes leugnet in seiner Diplomat. Gesch. d. Hauses Henneberg, Leipzig 1788, I, S.31 die Verwandtschaft.

Gegen Schultes wendet sich in mehrfacher Beziehung Worneburg in Zeitschr.f.thür. Gesch. u. Altersthumsk. N.F. I, S. 393 ff.

In der That sprechen gewichtige Gründe für den Zusammenhang.

Auf den bei Mellrichstadt 1078 gefallenen Grafen Poppo folgte zunächst sein gleichnamiger Sohn, welcher meist in Wasungen wohnte und daselbst am 20.August 1118 starb.

Dieser hinterliess drei Söhne,

Popo, der seinen Wohnsitz in Irmelshausen nahm und die hennebergische Hauptlinie fortpflanzte (vgl. hierzu C. Beyer Zillbach, Wien 1878, S.8), wo eine Stammtafel der Hauptlinie gegeben wird. Es sei dabei bemerkt, dass die Numerirung der henneberigschen Popponen eine sehr schwankende und unsichere ist, je nachdem die Zählung erst mit dem 1078 gefallenen oder mit seinem Vorgänger begonnen wird und je nachdem nur die Dynasten der Hauptlinie oder auch die diesen Namen führenden Glieder anderer Linien mitgezählt werden).

Ludwig, welcher den Frankenstein erhielt und demnach der Begründer des frankensteinischen Geschlechts ist,

und Gottwalt, dem Wasungen zufiel.

Dieser Ludwig I v. Frankenstein, welcher namentlich die Besitzungen im thüringischen Westgau innehatte (aufgezählt im Frankensteinischen Kaufbrief von 1330 und Darstellung in dem demnächst erscheinenden Heft Eisenach der Bau- und Kunstdenkmäler Thüringens) theilte nun bei seinem Tode, um 1150, seine Besitzungen wiederum unter seine drei Söhne. Der älteste, Ludwig II bekam den Frankenstein mit dem Hauptkomplex der (thüringischen) Besitzungen,

Gottwalt erhielt die Besitzungen im Tullifeld und nahm seinen Wohnsitz auf Schloss Frankenstein bei Helmers,

der jüngste, Seybold oder Sybotho, empfing die Krayenburg selbst den umliegenden Ortschaften und Gütern, als da sind: Breitungen, Tiefenort, Heiligenroda, Berka a.d.Werra (Dobenecker, Reg. II, Nr. 868, Anhalt, Thür. Monatsblätter, Jahrg. IV, 1897, S. 16).

Von jetzt ab residirt also ein Herrengeschlecht auf der Krayenburg. Bei den vielen in der folgenden Zeit genannten Herren von Krayenburg ist aber keineswegs immer und überall an Angehörige des Krayenburg-Frankenstein-Hennebergischen Dynastengeschlechtes zu denken, sondern viele, ja die meisten dieser Namen kommen nur Minsterialen zu, die als milites der Krayenburger oder auch der Aebte von Hersfeld diesen Namen führten (Dobenecker, Reg. II, Nr. 47, 123, 205, 343, 2353 u.s.w.)

Dann im Jahre 1184 verlieh Kaiser Friedrich I Barbarosso zu Verona am 4. November die Krayenburg an den Abt Seyfrid von Hersfeld und befreite sie von dem königlichen Spolienrecht.

Damals also wurden die Krayenburger hersfeldische Lehensleute, oder, was wahrscheinlicher ist, sie oder ihre Vorgänger hatten sich schon früher mehr oder minder freiwillig in diese Abhängigkeit begeben, welche jetzt die kaiserliche Sanction erhielt.

Auf Sybotho, der bis gegen Ende des 12.Jahrhunderts lebte, folgte sein Neffe Sybotho II, der Sohn Ludwigs II von Frankenstein (Anhalt a.a.O. S.16) und diesem seines Bruders Sohn Albrecht Sohn Ludwig, dann Heinrich und zuletzt Sybotho III, mit welchen 1346 die Linie ausstarb (Stammbaum Anhalt a.a.O S.25).

Mittlerweile aber war zur Zeit des Interregnums eine blutige Fehde zwischen den Frankensteiner und dem Stifte Hersfeld ausgebrochen (Rein Zeitschr.d.Ver.f.Thür.Gesch. IV, S. 418, Anm. 1 unter Berufung auf Heim, Henneb. Chronik II, S. 174 ff), welche nach der 1256 erfolgten Excommunication der Frankensteiner und der 1260 gelungenen Einnahme der Burg Frankenstein erst 1263 durch einen Vergleich beendet wurde. (Vergl auch Anhalt a.a.O. S. 24).

In der folgenden Zeit, also unter hersfeldischer Herrschaft, ist aus der Geschichte des Schlosses Krayenburg zu erwähnen, dass im Jahre 1270 die Landgräfin Margarethe von Thüringen, Tochter Kaiser Friedrichs II und Gemahlin Albrechts des Entarteten, auf ihrer Flucht von der Wartburg hier Aufnahme und Unterkunft fand, worauf sie ihre Reise über Hersfeld und Fulda nach Frankfurt a.Main weiter fortsetzte.

Im Jahre 1407 verpfändete das Stift Hersfeld das Lehen Krayenburg an die Landgrafen von Thüringen, zu deren Territrorium es ja ursprünglich gehörte und seitdem ist die Herrschaft im wettinischen Besitz verblieben, freilich nicht ohne noch vielfachen Wechsel der Lehensinhaber unterworfen zu sein.

Die Familien v. Reckerodt (1410), v. Hopfgarten (1436), Grafen von Gleichen (1440), v. Riedesel (1447 und 1480), v. Lugelin (1463), v. Goldacker (1493), v. Boineburg (1508) lösten einander im raschen Wechsel ab (Rein, Zeitschr.d.Ver.f.thür. Geschichte u. Alterthum IV. S. 419; Anhalt a.a.O. S.44), bis endlich 1522 die Grafen von Beichlingen die Krayenburg käuflich erworben. Ein Theil der Burggüter in Tiefenort war jedoch schon bald nach der wettinischen Bestizergreifung 1407 abgetrennt worden, und in unmittelbarer landesherrlicher Administration verblieben.

Der Käufer der Krayenburg war Graf Adam v. Beichlingen, Oberkammerrichter am Reichsgericht zu Speyer, welcher vorher sein Stammgut Beichlingen an die Herren v. Werthern verkauft hatte, die sich seitdem v. Werthern-Beichlingen nannten. Der Kaufpreis für die Herrschaft Krayenburg betrug 600 Goldgulden, wozu 1528 noch 1500 fl kamen, die Graf Beichlingen der Familie v. Boineburg zahlte für die sogen. Meysenburgischen Güter, welche diese 1522 zurückbehalten hatte, nunmehr aber auf Entscheidung von Kurfürst Johann des Beständigen ebenfalls an Graf Beichlingen überlassen mußte.

Graf Adam v. Beichlingen starb 1537; sein Grabmal befindet sich noch jetzt in der Kirche von Tiefenort (Abbildung auf dem Lichtdruck nach S.64).

Seine sieben Söhne besassen nach einander die Krayenburg, bis mit dem Tode des jüngsten Bartholomäus Friedrich, 1567 das Geschlecht ausstarb und die Lehnsherrschaft and die Landesherrschaft heimfiel. (Ein bei dieser Gelegenheit amtlich aufgenommenes Inventarium siehe bei Anhalt, a.a.O. S.46 ff). Seitdem werden die Krayenburgischen Güter als Kammergut verwaltet, die Waldungen sind zu den Staatsforsten geschlagen worden.

Krayenburg - Tiefenort war ein besonderes Justizamt bis 1879; dieses wurde aber damals bei der Einführung der neuen Justizorganisation aufgehoben und die dazugehörigen Ortschaften den benachbarten Amtsgerichtsbezirken zugewiesen.

Literatur: Anhalt (Pfarrer in Tiefenort) zur Geschichte der Krayenburg, Thür. Monatsblätter IV, 1896/7 und Rhönzeitung 1907.

*) das stimmt nicht !! - Dob. II, 186 nennt bereits Thudo à Heinrich de Chregenberc 1158 Dob. II, 98 1155
 
 

Weitere Nachträge und Ergänzungen

Vorwort: An dieser Stelle möchten wir uns herzlichst bei Herrn Manfred Beck aus Wutha bedanken, der die Krayenburg als Bodendenkmalpfleger beruflich betreut und uns zahlreiche weitere Informationen sowie weiterführende Hinweise zur Verfügung gestellt hat.
 
 

Aus Lehfeld-Voss ....
 

Beschreibung der Burg.

Die Krayenburg ist als einer der wenigen Profanbauten aus den Zeiten des
romanischen Stils in dieser Gegend von besonderem Interesse. Die einzigen roma-
nischen Profanbauten, an denen sich architektonische Ornamente des romanischen
Stils erhalten haben, sind in diesen Gegenden die Wartburg, die Burg Creuz-
burg a. d. Werra und die Lichtenburg bei Ostheim.

Auf einigen anderen Burgen der Gegend mag wohl der Bergfrit oder das
Mauerwerk des Palas ebenfalls in die Zeiten des romanischen Stils zurückreichen.
Doch romanische Ornamente haben sich auf den übrigen hier zu untersuchenden
Burgen nicht gefunden.

Von der ausgedehnten Anlage der Krayenburg sind nur noch einzelne spär-
liche Ruinen erhalten. Der architekturgeschichtlich wichtigste von diesen Mauer-
resten gehört zu dem ehemaligen, einst sehr stattlichen Herrenhause (Palas) der
Burg. Die primitiven romanischen Ornamente der ehemals hier befindlichen Säulen
(jetzt auf der Wartburg) deuten ungefähr auf die Zeit des 12. Jahrhunderts. Diese
Zeitbestimmung steht im Einklang mit dem oben geführten Nachweis, dass seit
der Zeit um 1150 ein Graf von Frankenstein auf der Krayenburg wohnt.

Der Palas. Von dem ehemaligen Palas ist nicht viel mehr als ein Stück
der Aussenmauer mit fünf Fenstern erhalten. (Abbildung auf S. 49 und Licht-
druck nach S. 48.) Das Mauerstück ist 14,80 m lang. Die Mauerstärke beträgt
1,66 m. Die Fenster liegen in zwei Geschossen übereinander, oben zwei, unten
drei Fenster. Die oberen Fenster haben an der Innenseite des Gebäudes halbrund
überwölbte Nischen; diese nach dem Innern der Burg zu.
In dieser Mauer befindet sich ein halbrund gewölbter Bogen. Der Palas muss demnach
ein stattliches Bauwerk gewesen sein. Allerdings, die ehemals daran befindlichen Säulen, welche jetzt
im Commandantengarten der Wartburg stehen und dort zur Errichtung einer
Laube verwendet sind, zeigen eine Rohheit der Meisselarbeit, die hinter den voll-
endeten Ornamenten der Wartburg weit zurücksteht. Die Säulen sind auf S. 54
abgebildet. Die Capitelle haben die äussere Form des romanischen Würfelcapitells,
aber die Ornamente zeig-en eine unbeholfene, ländliche Kunstübung. Mit kerb-
schnittartigen Linien sind auf zwei Capitellen fächerförmige Palmblätter eingemeisselt,
die in ihrer primitiven Zeichnung an das romanische Portal der Kirche in dem
nahe gelegenen Dorndorf erinnern. Auf einem anderen Capitell sind vier Eichen-
blätter dargestellt, die sternförmig zusammengesetzt sind, auch zwei Rosetten neben-
einander. Das eine Capitell ist mit Schneckenlinien verziert, wohl eine unbe-
holfene Nachahmung von römisch-ionischen Eckcapitellen. (Die Arbeit ist merk-
würdiger Weise ähnlich primitiv wie die typischen Schneckenlinien an den Eckpfosten
der Holzfachwerkhäuser des 17. Jahrhunderts.) Plump und unförmig sind auch die
Basen, deren polsterartiger Wulst besonders befremdend ins Auge fällt. An einer
Basis ist dieser Wulst mit roh gearbeiteten Blättern besetzt, deren Stengel an den
vier Ecken senkrecht herablaufen. Auf der Wartburg sind die Säulen auf Posta-
mente gestellt, die ursprünglich nicht dazu gehören. Die Säulen, mit dem
Capitell und der alten Basis haben eine Höhe von 1,85 m, der Schaft allein eine
Höhe von 1,25 m. Die nicht dazu gehörenden Postamente sind 0,36 m hoch.
Capitell, Schaft und Basis sind aus einem Stein gearbeitet.

Von den übrigen Mauern ragt nur noch Weniges aus der Erde hervor. Sie
sind mit Rasen und Bäumen bedeckt. Einige Gewölbe, fast vom Rasen verdeckt,
sind auf S. 51 abgebildet.

Die Lage der ehemaligen Kapelle, deren Vorhandensein in den Jahren 1306
und 1347 bezeugt wird, ist ohne Nachgrabungen nicht festzustellen.

Von dem Lauf der inneren Ringmauer ist unter Gras und Bäumen an der
Süd- und an der Südostseite noch manches zu erkennen, auch von der äusseren
Zwingermauer sind einige Steine sichtbar. Der Rest einer runden Mauer an der
Südseite soll von der ehemaligen Cisterne stammen. Das ehemalige Henne-
berger Amtshaus lag an der Südseite der Aussenmauer, davon ist noch ein
Stück der Aussenmauer erhalten, hinter der sich ein Kellergewölbe befindet. Ein
tiefer Halsgraben trennt die Burg an der Nordostseite von dem langgestreckten
Bergrücken. Ein alter Burgweg scheint an der Südseite zum Burgthor hinauf-
geführt zu haben. Der Feind, der hier zur Burg hinaufstürmen wollte, war auf
diesem Wege nicht durch den Schild gedeckt, eine Forderung, die man allerdings
keineswegs immer bei der Anlage der Burgwege berücksichtigt hat.

Den Zustand der Burg im Jahre 1684 schildert ein Plan, welcher sich im
Staatsarchiv zu Weimar befindet. Trotz der Unbeholfenheit der Zeichnung, die
eine Mischung von Grundriss und Vogelperspective ist, gibt der Plan wichtigen
Aufschluss über die Lage des Palas, der Ringmauer mit ihren Thürmen und das
ehemalige Hauptthor, sowie die Zugbrücke. Nach diesem Plan ist der beifolgende
Grundriss gezeichnet*) (Abbildung S. 53). Statt der Buchstaben der Legende ist
hier die Bedeutung der einzelnen Teile der Burg eingetragen.

In der „Creynberger Amtsbeschreibung" von 1781, gefertigt von Johann
Carl Salomon Thon, heisst es: „Der ehedem auf dem Schlosse Creyenberg
rechter Hand des Eingangs gewesene Brunnen oder Wasserbehälter (Cisterne) ist
durch Abnehmung der Gebäude und Mauern verfallen und durch die Länge der
Zeit verschüttet worden. Nota: Weil der auf dem Berg befindlich gewesene
Brunnen zur Subsistenz des Schlosses nicht hinreichend gewesen, so ist diesem
Mangel mittelst deren zu dem Ende in Bereitschaft gehabten Esel abgeholfen und
der hierzu gebrauchte Weg der 'Eselsweg' bis jetzo genannt worden."

Das Wasser wurde in Kieselbach im „Dorfborn" geholt. Der Weg führt noch
jetzt im Volksmunde den Namen „Eselshohle" und lässt sich noch recht gut bis
zur Burg verfolgen. Hiermit hängen zusammen die Kieselbacher Flurbezeich-
nungen : „Im unteren Nesselskorn", „Im mittleren Nesselskorn", „Im obern Nesselskorn". Der
Nesselskorner, richtiger Esselskärner, besass in Kieselbach ein Spanngut;
er ist der Eselskärner.

In den Kriegszeiten mussten die Unterthanen die Burg bewachen. Daran erinnern die Flurnamen:
„In der vordem Wächterskutte", In der hintern Wächterskutte", das „Wächtermönchsloch".

Das herrschaftliche Brennholz wurde in dem Voigtsholz geschlagen, daher heiast heute noch nach
dem Burgvogt das „Vogtholz" **).

Aufschluss über den Zustand der Burg im Jahre 1567, als die Krayenburg nach dem Aussterben der
Grafen von Beichlingen an das Haus Sachsen fiel, giebt das damals aufgenommene Inventar der in
den einzelnen Zimmern vorhandenen Gegenstände.
Die Burg muss damals noch vollständig in .bewohnbarem Zustande gewesen sein.
Seitdem befand sich auf der Burg das Amt, das von einem dem
Amtmann von Salzungen unterstehenden Amtsschösser verwaltet wurde. Im
dreissigjährigen Krieg hat das Schloss bei einer Plünderung im Jahre 1640 sehr
gelitten. Die Steine von einigen Gebäuden wurden 1656—1658 zur Errichtung
des Kornhauses in Tiefenort verwendet. 1679 liess Herzog Johann Georg von
Sachsen-Eisenach „das von ihm als Absteigequartier benutzte Thürmchen" wieder
in Stand setzen. Die übrigen Gebäude verfielen mehr und mehr. Aus dem Bau-
material wurde 1701—1703 das Amtshaus in Tiefenort erbaut. Erst nach Voll-
endung dieses Gebäudes wurde das Amt von der Burg nach Tiefenort verlegt.

Näheren Aufschluss über die Geschichte der Burg geben die Forschungen
von Pfarrer Anhalt in Tiefenort:
Zur Geschichte der Krayenburg, Rhönzeitung 1907 vom 10., 17. und 24. Februar.

Reste einer alten Wallanlage. Siehe den Nachtrag am Schluss des Heftes.
Siegel der Krayenburg mit dem Bilde der Burg im Geh. Staatsarchiv zu Weimar
Litteratur: Kronfeld, Landesk. II, S. 431. — W. Rein, Archäologische Wanderungi
Zeitschr. d. Vereins f. thür. Gesch. n. Alterth. IV, S. 418.

*) Die Abbildung ist nach einer von Herrn Lehrer Wallner ans Kieselbach im Staatsarchiv zu
Weimar angefertigten Copie des Planes gezeichnet. Herrn Wallner verdanke ich auch eine Abschrift
der Erklärung des Plans.

**) Mittheilungen des Herrn Lehrer Karl Wallner in Kieselbach.
 
 

Kühnlenz, Fritz
Erlebnisse an der Werra.
Greifenverlag Rudolstadt. 1973.
S. 308-311
» … Das nächste Werradorf heißt Tiefenort und ist eine alte Bergarbeiter-
Siedlung, deren Einwohner heute im Kalibergbau ihr Brot verdienen. Schon
1137 und 1155 ist von diesem Ort die Rede. Sein Name hat zahlreiche
Wandlungen durchgemacht; sie gehen von „Dieffeshart", „Titeshart",
„Tyffinhart", „Diffenhard" bis zu „Dieffendorf" und hängen ganz offen-
sichtlich mit einem Personennamen zusammen.
An der spätgotischen Dorfkirche ist ein romanischer Türsturz in flacher
Giebelform eingemauert. Die steinerne Kanzel stammt aus dem Jahre 1550,
die Grabsteine sind Arbeiten des 16. und 17. Jahrhunderts. Das prunk-
volle Grab mit dem Wappenschild, das eine Coeur-Sechs zeigt, birgt die
Reste des  Grafen Adam von Beichlingen, der auf der Krayenburg — wir
werden davon hören — rauschende Feste gefeiert und sein Vermögen ver-
schwendet hat. Die Sage erzählt, der Graf, der ein leidenschaftlicher Spie-
ler war, habe eines Abends seinen letzten Besitz, den Burghof in Tiefenort,
auf die Coeur-Sechs gesetzt und verloren. Die Verwandten sollen seine
Schulden getilgt, ihm aber dafür zur Pflicht gemacht haben, die Coeur-
Sechs in sein Wappen aufzunehmen.
Von Tiefenort führt ein bequemer Wanderweg, der auch als Auffahrt
benutzt werden kann, zur Krayenburg. Sie liegt auf dem Krayenberg,
einem Bergkegel über dem rechten Ufer der Werra, der nach drei Seiten
steil abfällt, sich nur im Osten in einem schmalen Rücken zu Tal senkt. Wie
eine Insel ragt der weithin sichtbare, von Buchenwald bedeckte Berg aus
der Landschaft. Sein Name (und damit der Name der Burg) kommt vom
althochdeutschen „craya" = Krähe her. Seine Lage — er schiebt sich wie
ein Keil zwischen die Werra und die uralte Straße von Hessen nach Thü-
ringen — bot sich zur Errichtung einer befestigten Anlage an. Wie ein
Wächter thront die Burg beziehungsweise das, was von ihr übrig geblieben
ist, heute noch über dem Fluß.
Die Geschichte der Krayenburg reicht bis in die Vorzeit zurück. Vor
der ersten Steinburg mag eine jener Wallburgen hier gestanden haben,
die sich auch anderswo an den Ufern der Werra erhoben. 786 vermachte
Karl der Große die „villa Thoranthorf" (Dorndorf) mit dem Krayenberg
dem Stift Hersfeld. Von diesem wurde der Berg befestigt und diente zum
Schutz des vorgeschobenen Territoriums, das von ihm missioniert wor-
den war. Die Krayenburg, die 1155 zum ersten Mal erwähnt wird, war das
mächtigste Bollwerk der Abtei im Werratal.
Von 1100—1330 saßen die Herren von Frankenstein als Vögte des Klo-
sters auf der Burg und übten für die Abtei die Gerichtsbarkeit in diesem
Gebiet aus. Als Hersfelds wirtschaftliche Lage sich verschlechterte und
sein kirchlicher und polirischer Einfluß in Thüringen zurückging, ver-
pfändete die Abtei die Burg am 13. Januar 1407 an die Landgrafen von
Thüringen. Diese vergaben sie an Lehensleute, unter denen Familien von
Tonna, von Boyneburg und von Beichlingen eine Rolle spielten. Adam
von Beichlingen, dessen Grab wir in der Kirche von Tiefenort sahen, ent-
faltete ein glanzvolles Leben auf der Burg.
Nach dem Aussterben seines Geschlechts begann der Verfall. Im Dreißig-
jährigen Krieg wurde die Burg mehrmals ausgeplündert. Sie verwandelte
sich in einen Trümmerhaufen; aus ihren Steinen bauten sich die Tiefen-
orter ein Kornhaus und ein Amtshaus. Als Goethe am 7. April 1782 die
Burg besuchte, war sie eine Ruine. Er fertigte eine Zeichnung von ihr
an, die sich im Besitz der Nationalen Forschungs- und Gedenkstätten in
Weimar befindet. Einige Werkstücke der romanischen Fenster des Palas
kamen nach Eisenach und wurden 1853 bei der Wiederherstellung der
Wartburg verwendet.
Aus der landgräflichen Zeit ist eine Episode nachzutragen, die sich —
wenn auch vielleicht nicht in allen Einzelheiten — so zugetragen haben
soll: 1270 weilte die Landgräfin Margarete unfreiwillig auf der Krayen-
burg. Ihr Gemahl, Landgraf Albrecht mit dem Beinamen „der Entartete",
liebte die schöne Hofdame Kunigunde von Eisenberg, wollte sie zu seiner
Frau und ihren gemeinsamen Sohn Apitz zu seinem Nachfolger machen.
Er bestimmte einen Eseltreiber von der Wartburg, Margarete, die eine
Tochter Kaiser Friedrichs II. war, zu ermorden, doch dieser vertraute sich
der Landgräfin an und floh mit ihr in der Nacht des 24. Juni 1270 nach der
Krayenburg. Wenn der Chronist Johannes Rothe recht hat, ließ sich Mar-
garete, und mit ihr zwei Dienerinnen, der Hofmeister und der Eseltreiber,
an einem Seil die Felswand an der Westseite der Wartburg, aus einem
Fenster des heurigen Margaretenganges, hinab. Auf der Krayenburg, die
laut kaiserlichem Erlaß den Gottesfrieden genoß, den niemand brechen
durfte, gewährte ihr der Abt von Hersfeld Obdach. Aber sie blieb nicht
hier, sondern ging in ein Kloster, wo sie kurz darauf, erst 41 Jahre alt,
starb.
Die Krayenburg ist aber auch eine Stätte von Sagen und Spukgeschich-
ten: 
Eine schöne Frau soll es dort geben, die Beerensucher in gähnende
Kellergewölbe lockt, wo sie von greulichen Ungeheuern erschreckt werden.
Aus Busch und Mauerwerk tauchen Geisterhände auf und ohrfeigen Vor-
übergehende. Auf dem Berg treibt ein weißer Hirsch, nach anderer Lesart
ein feuriger Mann, sein Unwesen. In den verfallenen Gemäuern sollen
riesenhafte, schwarzbärtige Männer gehaust haben, die eines Nachts ein
Mädchen aus Tiefenort, das sich auf dem Heimweg im Walde verirrt hatte,
einfingen, küßten und dadurch von dem auf ihnen lastenden Fluch befreit
wurden.
Aus den vorhandenen Trümmern kann man sich ein Bild machen, wie 
die Krayenburg einst ausgesehen hat: Sie bestand aus einer Vor- und einer 
Hauptburg. Beide waren durch eine doppelte Mauer, einen tiefen Graben
und einen Zwinger voneinander getrennt. Die Gebäude der Hauptburg
umschlossen einen geräumigen Hof, an dessen Südseite der Palas lag; in
der Mitte erhob sich der Bergfried. Erhalten haben sich Reste der Um-
fassungsmauern, Kellergewölbe und eine Wand des Palas mit schön ge-
meißelten romanischen Fenstern.
Nach der Besichtigung der Burgruine lohnt es sich, in der Gaststätte
des Naherholungszentrums einzukehren, das sich die Bergarbeiter des VEB
Kalibetrieb „Werra" auf dem Burggelände geschaffen haben. Locken Burg-
garten, Tanzfläche und Freilichtbühne zum Aufenthalt im Freien, wenn
das Wetter schön ist, so sitzt es sich zu jeder Jahreszeit angenehm in den
Gasträumen, zu denen auch eine Bar gehört. Selbst Fremdenzimmer stehen
zur Verfügung, wenn man die Ruhe und Waldeinsamkeit des Burgberges
genießen will. Vom Turm der Gaststätte bietet sich eine schöne Aussicht
ins Werratal: In vielen Windungen kommt der Fluß von Bad Salzungen
herüber, dessen helle Neubauten im Schein der Nachmittagssonne leuch-
ten. Dahinter baut sich der Thüringer Wald auf. Südwärts schließen sich
Dolmar, Geba und die Berge der kuppenreichen Rhön an, als dessen nächste
Erhebung hinter den Fördertürmen des Kaliwerkes von, Merkers der Öch-
sen aufragt.
Man kann zur Krayenburg auch von Kieselbach aufsteigen, das am nord-
westlichen Fuß des Berges an der alten Straße von Frankfurt nach Eisen-
ach liegt. 1155 zum ersten Mal erwähnt, gehörte „Kyssilabach", später
„Kisilbach" genannt, zum Besitz der Abtei Hersfeld und wurde anschlie-
ßend frankensteinisch. Seine aus rotem Sandstein erbaute Kirche hat einen
gewölbten Turmchor aus dem 15. Jahrhundert und ein barockes Langhaus
mit bemalten Emporen aus dem Jahre 1692.    … «

 

 
 
 

(Herausg.) Krayenburggem. e.V. 
Der Krayenberg mit der Krayenburg.  - 
Tiefenort. 1929    [16 S. mit 6 Abb.]
Der Krayenberg
ein südwestlicher Ausläufer des Thüringerwaldes mit der Krayen-
burg; den Bergkegel schmückt schöner Buchenwald, 440 m über
NN, bietet eine herrliche Aussicht nach dem Thüringerwald, der
Vorderrhön und den hessischen Bergen bis zum Meißner bei
Kassel. Der bequemste Aufstieg vom Bahnhof Tiefenort beträgt
50 Minuten, von Merkers 30 Minuten, vom Bahnhof Dorndorf über
Kieselbach, am westlichen Abhang des Bergkegels, eine Stunde.

Geschichtliche Bedeutung erlangte der Berg mit einer Wall-
oder Fliehburg schon um 400 Jahre vor Christi. Reste dieser
Wallburg sind noch zu finden an der Nordseite der Burg außer-
halb des späteren Wallgrabens, auch oberhalb des Wasser-
behälters Tiefenort und 150 m unterhalb der Burg am Wege nach
Merkers. In Zeiten drohender Ueberfälle haben die Bewohner
in der Umgebung damals Hab und Gut nach der Wallburg ge-
schafft und sich von dort aus verteidigt.
Das erste Bauwerk der späteren Burg war ein Wachturm des
Frankensteins bei Salzungen aus dem achten Jahrhundert. Ueber-
reste dieses ersten Bauwerks wurden beim Bau der neuen Klause
an der Stelle gefunden, wo die Küche von der noch bestehenden
alten Burgwand abgeschlossen wird; diese alte Wand ist vor dem
Neubau in Meterbreite noch zu sehen. Ferner sei noch erwähnt,
daß der Ueberrest des ersten Bauwerks eine nach Tiefenort
gerichtete Schießscharte zeigte, die etwa 80 cm über dem jetzigen
Küchenfußboden lag, ein Zeichen dafür, daß der Fußboden aller
Gebäude die Höhe des der Küche bzw. des alten überbauten
Kellers hatte. Die Frankensteiner bauten die Burg weiter, bis im
nächsten Jahrhundert das Kloster Hersfeld Besitz ergriff. Im
Jahre 1184 .verleiht der Kaiser Friedrich der Burg den Gottes-
frieden. Die Frankensteiner, deren Stammburg am jetzigen
Frankenstein lag, ergriffen nochmals Besitz von der Krayenburg.
Als die Frankensteiner ausgestorben waren, fiel die Krayen-
burg wieder an das Stift Hersfeld zurück. Die Achte von
Hersfeld ließen die Burg dann etwa 50 Jahre von ihren Burg-
männern verwalten. (Siehe Chronik von H. Brandt, Seife 24.)
Im Jahre 1407 kam die Krayenburg mit allem Zubehör als Pfand
von Hersfeld an das landgräfliche Haus Thüringen. Die Ge-
mahlin des Landgrafen Albrecht des Entarteten von Thüringen,
Margarethe, eine Tochter Kaiser Friedrich des II., suchte auf
der Krayenburg Unterkunft, als sie von ihrem Gemahl, der sich
Kunigunde von Eisenberg erkoren hatte, verstoßen wurde,
Albrecht bestach einen Eselstreiber, die Landgräfin in der Nacht
zu ermorden; in letzter Stunde durch Gewissensbisse bestimmt,
weckte dieser die Landgräfin, um ihr mit Hilfe eines freuen
Dieners, vom sogenannten Margarethengang der Wartburg aus,
ihr zur Flucht zu verhelfen. Die unglückliche Frau wurde an
Stricken die steile Felswand hinabgelassen. Zuvor hatte sie in
heißem Schmerz von ihren Söhnen Abschied genommen und biß
beim Küssen Friedrich in die Wange, der später den Beinamen
der Gebissene erhielt. Am Fuße der Burg standen gesattelte
Pferde bereit, und unter Bedeckung des Ritters Varkula wurde
die Landgräfin zur Krayenburg geleitet, wo sie freundliche Auf-
nahme fand. Es hielt sie jedoch nicht lange auf der Krayenburg,
und so nahm sie den Schleier und wurde Nonne; schon am
8. August desselben Jahres (1270) starb sie in Frankfurt am
Main. …
Die Glanzzeit der Burg brachte das 16. Jahrhundert. Der
letzte Besitzer der Burg war Graf Adam von Beichlingen; er
wurde 1486 in Frankfurt am Krönungstage Kaiser Maximilians
mit dem Schwerte Karls des Großen zum Ritter geschlagen und
hat 1493 mit dem Kurfürsten Friedrich .einen Zug ins Morgenland
unternommen, 1521 ernannte ihn Kaiser Karl V. zu seinem
Kammerrichter, bis 1535 waltete Graf Adam von Beichlingen seines
Amtes in Speyer und zog sich dann nach der Krayenburg zurück,
wo er am 7. August 1538 starb. Er wurde an der Kirche zu Tiefen-
ort beigesetzt, sein Grabmal an der Südwand neben dem Altar,
wird gern besichtigt.
Der dreißigjährige Krieg brachte der Burg durch die Kroaten
unter Isolani den. Anfang zur Vernichtung. Die Beschädigungen
wären zu beheben gewesen; aber die Burg wurde mehr und
mehr dem Verfall geweiht. In den Orten Tiefenorf und Kiesel-
bach baute man von den Steinen der Krayenburg, so auch im
früheren Rettungshaus zu Tiefenort (vormals Amtsgericht) das
Kornhaus, das jedoch auch wieder verschwunden ist. Nachdem
die Burg schon größtenteils verfallen war, hat das Amt Krayen-
bürg noch oben bestanden und zwar stand das Amtshaus an der
Stelle, wo sich die neue Klause der Krayenburggemeinde erhebt
und ist der überbaute alte Keller mit Kreuzgewölbe noch ein Teil
dieses Gebäudes. Zum Amt Krayenburg gehörten folgende Ge-
meindebezirke: Burkhardtroda, Dönges, Dorndorf, Ettenhausen/Suhl,
Frauensee, Kaiseroda, Kieselbach, Kupfersuhl, Merkers und
Tiefenort. Aus dem Amt .Krayenburg äst im Jahre 1705 das
Justizamt Tiefenort geworden, was bis zur Auflösung im Jahre
1879 dort bestanden hat.
Der Verfall der Burg hatte sich schon nach dem Tode des
letzten Beichlinger bemerkbar gemacht, als sie unbewohnt war,
setzte er vollends ein.
Vor etwa 40 Jahren hat der Thuringerwaldverein, Zweig-
verein Tiefenort, den jetzt überbauten Keller auf eigene Kosten
hergerichtet und hat auch die Ruine, …, unterfangen lassen, um sie
vor dem Einsturz zubewahren.
Als sich der Thüringerwaldzweigverein nach dem Kriege auf-
löste, hat die Krayenburggemeinde mit ihrer Gründung am
25. Januar 1925 auch gleichzeitig den Plan gefaßt, ein Bauwerk
zu schaffen, das den Anforderungen der Besucher entsprechen
wird, Unterkunft zur ständigen Bewirtschaftung bietet und somit
diese geschichtlich äußerst bedeutende Stätte wieder zur Gel-
tung bringt.
…
(Es folgen ausführliche Angaben zum Bau der Krayenburg-Klause bzw. Hotel)

 

 
 
 

Hermann Nebe

Wallburgen in Westthüringen

In: Thüringer Fähnlein. 1932. S. 70-77
 
 

S. 75f

… Besonders geartet nach Lage, Grundriß und Aufbau ist die K r a y e n b u r g im Werratal, in der Nähe des Fleckens Tiefenort gelegen. Der zwischen Marksuhl, Salzungen und Heringen sich dehnende Hardtwald sondert nach Südwesten eine Bergzunge in das Tal ab, die, nach einer sattelartigen Senkung beim Knottenhof, in einem kühn vorspringenden Hochkap endet. Auch diese Walburg der Vorzeit ist in ihrem südwestlichen höchsten Teile zu einer mittelalterlichen Steinburg ausgebaut worden; vielleicht, ebenso, wie die Boyneburg, im 12. Jahrhundert.

Die gesamten Anlagen der vorgeschichtlichen Wallburg ziehen sich auf dem Kamm, vom jetzigen Tiefenorter Hochbehälter der Wasserleitung in erst mählicher, dann starker Steigung bis zur eigentlichen Wallburg (jetzt Ruine der mittelalterlichen Burg) hinan.In Abständen von 120m, dann 140m und 250m wird der Bergrücken durch einige Quer-Halsgräben in vier ungleiche Abschnitte geteilt, deren höchster und letzter Teil im Grundriß die Form einer mit der Spitze nach Nordost geneigten Eichel hat.

Dieser Teil (die Krayenburg) [#1] hat allein einen Umfang von 360m, ist durch einen Halsgraben in eine südwestlich gelegene kleinere Unterburg und in eine nordöstlich gelegene größere Oberburg getrennt. Diese Oberburg trägt noch jetzt mittelalterliche Ruinen, die sich durch einen südöstlichen Zwinger, weite und tiefe Kelleranlagen und eine noch hochragende Mauerwand eines romanischen Palasbaues auszeichnen.

Im Südwesten vorgelagert erscheint im Abstand von etwa 50m ein kleines Außenfort in Halbmondform [#2], offenbar angelegt zum Schutze des Haupttores der Hochburg, und um den vom Werratal aufwärts vordringenden Feind zu hemmen.

Nach Nordosten ist die Kernburg durch einen gewaltigen, im Flachbogen schräg durch den Felskamm verlaufenden Halsgraben gedeckt.

Der anschließende Teil der nach Nordosten schmal sich hinabziehenden Befestigung sendet, den Südostwall der Hochburg zum Teil begleitend, eine Wallzunge vor.

Der dritte Teil [#3] dieser gewaltigen Befestigung trägt Spuren einer besonderen Verstärkung in einer im Südwesten angelegten, schanzenartigen Erhöhung.

Der vierte Teil der Gesamtbefestigung, der am tiefsten liegende Abschnitt, ist eine starke Wallburg [#4] für sich und scheint nicht nur in der Vorzeit seine Bedeutung als Außenfort der Ober- und Hauptburg, sondern auch als Quellfassung und Quellschutz gehabt zu haben.

Ein aus den Wällen emporstrebendes Kernwerk von Rechteckform [#5] und 175m Umfang wird im Südwesten und Nordwesten von kleineren Vorwerken geschützt.

In der Nordostspitze liegt der schon genannte Hochbehälter und nach Südwesten ist das Kernwerk ein kaum entwirrbares System von sich schneidenden Gräben und Wällen vorgelagert, das sich bis 100m weit den Hang hinabzieht.

Durch den Innenkern läuft jetzt ein Hohlweg [#6], vielleicht der mittelalterliche Burgweg [#7] zur Krayenburg.

Der jetzige Burgweg der Krayenburg - ein Forstfuhrweg - berührt die Südostseite des Innenkerns und der Zwischenteile bis zur Hochburg und hat offenbar einen parallel verlaufenden Außenwall und Graben verschwinden lassen.

Ein diesem ähnlicher Forstabfuhrweg zieht sich jetzt durch das Grabengewirr [#8] der Nordseite.

Die Anlage dieses Grabensystems scheint als Veranlassung eine entglittene Quelle gehabt zu haben; eine Einrichtung, wie sie allerdingsin anderer Form an der keltischen Wallburg auf dem Öchsen zu finden ist.

Mit dem südwestlichen Außenfort und der zuletzt beschriebenen Quellenschutzanlage und der Wallburg im Nordostteile hat die gesamte vorzeitliche Krayenburganlage einen Umfang von etwa 1500 m, übertrifft also an Länge der Außenwälle und Umfang die "Boyneburg" bei weitem; doch ist letztere an Größe der eigentlichen Wallburg und an Festigkeit der Lage unvergleichbar.
 
 

ANMERKUNGEN von M. Beck: (aufgrund der Erkenntnisse, der nun durchgeführten Vermessungen der Burganlage und des Hohlwegsystems in Richtung Tiefenort bis zum Hochbehälter sowie erfolgter Abtragungen und Sicherungsarbeiten am Palas)

[#1] Es haben sich bisher keine (!) frühgeschichtlichen Funde auf dem Gipfel gezeigt, diese Annahme ist unbewiesen.

[#2] Diese vorgelegten Befestigungen sind Teil einer ehem. Torbefestigung (wohl ein Reitweg nach Kieselbach und Dorndorf, im Hang darunter deutlich Hohlweg-Spuren)

[#3] Hier irrt Nebe - die langen Gräben/Wälle sind als Hohlwege anzusprechen, der ehemalige Hauptweg zur ma. Burg. Die querliegenden, kurzen Gräben/Wälle sind Abschnittsbefestigungen der ma. Burg.

[#4] Diese Befestigung - "Das Schlösschen" ist die frühgeschichtl. Wallburg mit einer Quelle im Inneren, sie wurde in die Gesamtbefestigung der Krayanburg integriert - als Quellenschutz und Vorburg.

[#5] Die Grundform ist ein "D" - das ergaben unsere Vermessungen.

[#6] Dieser Hohlweg, eigentlich sind es 4 parallel verlaufende, ist (sind) ursprüngliche, nach Tiefenort verlaufende Burgwege.

[#7] Südlich und nördlich der Wallburg befinden sich Steinbrüche, wohl von der Krayenburg.

[#8] Das Grabengewirr entstand, weil oberhalb der Wallburg der (lange) Burgweg von Kieselbach in den Burgweg einbindet. Die jeweiligen Trassen lassen sich im Wald noch ca. 300 - 400 m verfolgen.
 
 
 
 
 
 

44 Aus Hörselberger Bote Nr. 32 / 1998 Seite 44:

Hörselberg-Bote Eine sehr interessante und wirklich empfehlenswerte Heimatzeitschrift für Natur-, Heimat- und Wanderfreunde Thüringens.

Zur Geschichte der Krayenburg

Mutter der Wartburg

Westlich von Tiefenort erhebt sich die kegelförmige Anhöhe des 431 Meter hohen Krayenberges über dem Tal der Werra. Vom Gipfel des bewaldeten Berges grüßen uns Dächer der Burganlage und ein runder Turm leuchtet mit kupfernem Dach. Man erkennt schon von weitem, daß hier wieder Leben in die alten Mauern eingezogen ist. Doch schauen wir einmal zurück in die Geschichte der Krayenburg.

Die ursprünglich viel größere Burganlage erstreckte sich über das gesamte Bergplateau und überragte mit dein auf der Nordseite gelegenen Palas den Ort Kieselbach, während auf der Südseite, jenseits der Werra, der Ort Merkers zu Füßen lagt. Die Deutung des Namens ist zwar etwas umstritten, aber unzweifelhaft ist er in Verbindung mit der Krähe zu betrachten und bedeutet also "Krähenberg". In den alten Urkunden tauchen viele verschiedene Schreibweisen auf, erstmals 1672 finden wir Krayenberg.

Um 500 vor Christi befand sich eine Wallburg etwas unterhalb am Berg, von welcher man heute noch Spuren erkennen kann. Die Geschichte der Krayenburg beginnt im Jahre 786, als Karl der Große die Villa Dorndorf mit allem Zubehör dem Kloster Hersfeld für treue Waffendienste gegen die heidnischen Sachsen schenkte. Das Kloster brauchte zur Sicherung seines Besitztunis eine starke Schutzwarte, die es in der Krayenburg errichtete. Lehnsherren verwalteten die Burg, zu denen auch die mächtigen Herren von Frankenstein bei Salzungen und die Grafen von Henneberg zählten, die im Verwandschaftsverhältnis zueinander standen. Die Krayenburg gilt als "Mutter der Wartburg", da sie wesentlich älter, größer und fester erbaut wurde. Davon zeugen heute noch gewaltige Sandsteinmauern und verschlagene Gewölbe.

Im Jahre 1407 verpfändete die Abtei Hersfeld Amt und Schloß Krayenberg für 7500 Gulden an Sachsen, da man sich in wirtschaftlichen Nöten befand. Landgraf Philipp von Hessen versuchte 15 16 unter Vorlage der alten Pfandverschreibungen die sächsische Lehnshoheit einzulösen und sein Schwager Adam von Bleichingen kaufte den Besitz auf. Unter der Herrschaft des Ritters Adam von Bleichingen gelangte die Burg zu ihrer höchsten Blüte für die deutsche Geschichte. Der letzte Burgherr starb 1538 und wurde in der Tiefenorter Kirche beigesetzt, wo man noch heute seine Grabplatte sehen kann. Keiner seiner sechs Söhne wurde auf der Burg seßhaft, und als sein zweiter Sohn 1547 starb, fiel die Burg an die Sachsen zurück. Nachdem der Abt von Hersfeld 1548 die Pfandschaft kündigte, entfachte ein Streit zwischen Sachsen und Hersfeld, der 1579 in einem Vergleich endete. Die Hersfelder Abtei wurde durch Tausch von Ländereien um Treffurt und das Schloß Waldungen sowie mit 3000 Gulden entschädigt

Im 30jährigen Krieg wurde die Burg stark beschädigt und mehrmals geplündert. Da den Herzögen von Sachsen die Mittel zum Wiederaufbau fehlten, war die Burgruine nach 1656 dem weiteren Verfall preisgegeben. Im Jahre 1699 wurde das Amt Krayenberg schließlich nach Tiefenort verlegt. Bewohner aus den umliegenden Orten holten sich Sandsteine für die Fundamente ihrer Häuser, Ställe und Scheunen oder bauten Hofmauern und Torstöcke damit auf.

Krayenburggemeinde e.V. gegründet 1925 Seite 45

Berg-, Burg- und Waldgemeinden stellen sich vor:

Gründung der Krayenburggemeinde 1925

Um die Jahrhundertwende richtete der damalige Thüringerwald-Verein das Kellergewölbe der Burgruine mit Sitzgelegenheiten ein und schenkte in den Sommermonaten an den Wochenenden Getränke für die Wandersleute aus. Doch dies war nur eine Übergangslösung.

Seit Ostern 1924 hatte im alten Keller der Ruine eine Sommerbewirtschaftung durch Herrn Ferdinand Helm aus Kieselbach stattgefunden.

.Auf Anregung des Herrn Forstmeisters Kirschmann aus Tiefenort hatte die Frankenstein-Gemeinde Vertreter des Rhönklubs und des Thüringerwald-Vereins auf den Berg geladen, um über dringend notwendige Erhaltungsmaßnahmen für die Burgruine zu sprechen. Nach der Besichtigung fand man sich im Gasthof "Zum Stern" in Tiefenort zu einer Versammlung ein und beschloß die Gründung einer Krayenburggemeinde. An diesem Sonntag, dem 25.Hartung (Januar) 1925, gründete sich die Krayenburggemeinde mit etwa 20 Nachbarn, zum ersten Schultheiß wurde Carl Schanz aus Tiefenort gewählt. Man setzte sich das Ziel, der weiteren Demontage der Burgruine Einhalt zu gebieten und aus den historischen Überresten ein Ausflugsziel aufzubauen. Unter Anleitung des Schlutheißen und Baumeisters Carl Schanz wurde ein Vorentwurf für den Wiederaufbau einer 11 neuen Krayenburg" erarbeitet und beim Bauamt in Eisenach beantragt. Nach fünf Monaten wurde ein Bauausschuß gewählt, dem 28 Nachbarn angehörten, um endlich einen Anfang zu finden. Zur Deckung der Baukosten ließ man bereits Anteilscheine vom Wert einer Goldmark bis zu 100 Goldmark drucken. Auch der Nachbar Regierungsbaumeister Kreuchauff aus Merkers legte einen Entwurf vor, der Zustimmung bei den Nachbarn fand und beim Thüringer Bauamt eingereicht wurde. Der feierliche Akt einer Grundsteinlegung für die "neue Krayenburg" mit Vermauern einer Urkunde fand am 23.Ernting (August) 1925 statt, ohne Genehmigung der Bauanträge. Da die Finanzierung noch nicht abgesichert werden konnte, erklärte sich Baumeister Schanz bereit, mit seiner Firma und Nachbarn der Gemeinde auch ohne Lohn schon mit dem Wiederaufbau zu beginnen. Es mußten umfangreiche Schachtarbeiten erfolgen, und in aufwendiger Kleinarbeit entstanden auf den Mauerresten die neuen Mauern für den Bau der

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Klause. Bereits am 27.Hornung (Februar) 1926 konnte das Richtfest für das erste Gebäude gefeiert werden. Unter Bauleitung des Nachbarn Kreuchauff ging es zügig voran. Nachdem der Hauptbau, ein Wohnhaus mit Vereinszimmer und Fremdenzimmern im Rohbau fertiggestellt war, konnte man mit der Erweiterung des alten Kellers und dem Anbau an der Südseite beginnen. Nun wurden die Räume und eine Küche hergerichtet und der noch teilweise vorhandene Treppenturm gesichert. Der Wirt und nun auch Nachbar Helm konnte im September 1926 die neue Wohnung auf dem Berg beziehen, und zur ersten Kirmesfeier versammelten sich die Nachbarn auf ihrem Heimatberg. Im Juni 1927 fand die feierliche Einweihung der Klause ihrer "neuen Krayenburg" statt und mit Stolz und Anerkennung wurden die Nachbarn für ihren Einsatz geehrt.

Man hatte es sogar geschafft, schon Ende der 20er Jahre Stromversorgung und Wasserleitung zum Berg zu verlegen, was sehr wichtige Voraussetzungen für eine Bewirtschaftung waren.

1935 wurde bei der Turmerneuerung ein Anbau geschaffen, in welchem ein Burgmuseum eingerichtet wurde. Hier waren wertvolle Zeugnisse der Geschichte der Burg und der Region aufbewahrt, die aber leider nach der Vereinsauflösung verloren gegangen sind.

Dem strebsamen Schultheiß Carl Schanz, der von der Vereinsgründung bis 1947 dieses Amt inne hatte, dankt man noch heute seinen Einsatz für die Krayenburg. Als er nach seiner Heirat in Tiefenort seßhaft wurde und ein Baugeschäft gründete, zeigte er schon Interesse und Heimatliebe zur Erhaltung von Historischem. Die Burgruine hatte es ihm besonders angetan. Mit seinem unermüdlichen Einsatz war es ihm gelungen, Mitstreiter und Handwerksbetriebe für sein Lebenswerk zu gewinnen. Man hatte es gemeinsam geschafft, das Bergdomizil für den Verein und die Region zu beleben. Monatliche Sippungen und Geselligkeiten wurden durchgeführt, die immer im Zeichen der Pflege und Erhaltung von Brauchtum und Traditionen der Heimatregion standen.
 
 

Die Krayenburggemeinde heute

Ebenso wie andere Berg-, Burg- und Waldgemeinden Thüringens wurde auch diese in den Kriegsjahren verboten und löste sich 1947 auf. Zu DDR-Zeiten wurde die Krayenburg z.B. als Kinderheim oder Jugendwerkhof genutzt, später war sie Ferienobjekt des Kalikombinates.

45 Jahre wurde nichts an der Burgrunine getan und der Zahn der Zeit nagte an der Bausubstanz. Nach der politischen Wende in Deutschland erwachte auch wieder das Interesse für die Krayenburg, die aus dem Licht der Offentlichkeit verschwunden war. Am 9.März 1990 war es dann soweit, daß sich wieder Heimatfreunde fanden und die Krayenburggemeinde neu gründeten. Zum Schultheiß wurde Ernst Narbei aus Tiefenort gewählt, als erstes Ehrenmitglied wurde Karl Siebert aufge-

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nommen, der schon beim Bau in den 20er Jahren in der ersten Gemeinde aktiv war. Man arbeitet nach der Gemeindeordnung der Vorfahren weiter für die Erhaltung der Burganlage. Jedoch erst nach Klärung der Eigentumsverhältnisse konnte man beginnen. So wurden bei zahlreiche Arbeitseinsätzen Erhaltungsmaßnahmen an der Burgruine durchgeführt, Wanderwege ausgestattet, um die Krayenburg als Ausflugsziel mit Bewirtschaftung und für ein vielseitiges Vereinsleben attraktiv zu präsentieren. Nach mehrmaligem Wechsel der Wirtsleute hofft man nun auf Bestand, denn die jetzige Wirtin Frau Gerlach hat sich sehr gut auf die "Burgverhältnisse" eingestellt. Der Heimatmaler günter Kaiser aus Hämbach stiftete drei große Ölgemälde für die Burgklause, auf denen die historische Begebenheit um die Flucht der Landgräfin Margarete 1270 von der Wartburg dargestellt wird.

Inzwischen gehören 75 Nachbarn zur Krayenburggemeinde, wobei auch 32 "Nachbarn in der Fremde" auf ihre Art und Weise die Verbundenheit mit der alten Heimat auszudrücken verstehen. Zum Jahreswechsel konnten die Sanierungsarbeiten am Turm der Burgklause mit dem Aufsetzen der Wetterfahne und dem Verstauen von wichtigen Dokumenten und Bildern zur Burggeschichte unter der Dachkuppel vorerst beendet werden. Auf Traditionen legt man großen Wert, so spricht man sich als Nachbar an, hält "Sippungen" ab und grüßt sich mit dem alten Gruß der Berg-, Burg- und Waldgemeinden: Holla-ho! Mit Stolz können die Nachbarn auf das Werk ihrer Vorfahren und ihre 8jährige Vereinsarbeit zurückblicken. In Ernst Narbei haben sie einen tüchtigen Nachfolger zum Schultheiß gewählt, der das Vermächtnis von Carl Schanz würdig weiterführt. Noch viel Interessantes gäbe es zu berichten. Sollten wir ihre Neugier geweckt haben, dann besuchen Sie die Krayenburg hoch über dem Werratal!

Wir bedanken uns recht herzlich beim Schlutheißen Ernst Narbei und seiner netten Frau, die uns freundlicherweise durch die Krayenburg führten und aus dem privaten Archiv historisches Material für diesen Beitrag zur Verfügung stellten.

Vom Heimatmaler Günter Kaiser sind inzwischen zwei Bücher mit seinen "Zeichnungen von der Rhön bis zur Wartburg" erschienen, die über die Krayenburggemeinde e.V. bzw. auf der Krayenburg bezogen werden können.

Krayenburggemeinde e.V.

Schultheiß Ernst Narbei
Am Sandweg 4 / 36469 Tiefenort
 
 

Nochmals ein herzliches Dankeschön an Herr Manfred Beck sagen Kornelia und Helmut Neuner.
 
 
 

crays.jpg (3633 Byte)

DAS SIEGEL DES AMTES CRAYENBERGK